Die reichsten Deutschen Der Putzfrauenkönig
Hamburg - Der Liebhaber historischer Uhren war seiner Zeit stets ein Stück voraus: Schon 1963 erkannte er, dass Deutschland eine Servicewüste ist und gründete in München den "Heimpflegedienst Peter Dussmann". Sein Startkapital: 2000 Mark, die er sich von der Sparkasse geliehen hatte.
Doch die Zeiten, da der gelernte Buchhändler die Blumen anderer Männer goss oder deren kaputte Socken stopfte, sind lange vorbei. Von seinem gut 200 Millionen Mark teuren Firmensitz an der Berliner Friedrichstraße aus lenkt "Deutschlands Putzfrauenkönig" heute ein wahres Imperium für Dienstleistungen rund ums Gebäude.
Ob reinigen, reparieren, bewachen oder verwalten: Die 56.000 Mitarbeiter der Dussmann-Gruppe (Umsatz 1999: 2,1 Milliarden Mark) erledigen jeden Job, der beim Unterhalt moderner Büropaläste anfällt. Und dies in mittlerweile 26 Ländern der Welt. Auch repräsentative, voll ausgestattete Geschäftsräume kann man von Dussmann mieten. Und dem maladen Zeitgenossen hilft der Unternehmer in den Reha-Kliniken seiner "Kursamed" wieder auf die Beine.
Ein Samariter ist der Selfmademan, der den Gewinn seiner Unternehmen gern verschweigt, indessen nicht. So gehörte er zu den Vorreitern bei den sozialversicherungsfreien Billigjobs, die auch den Dussmann-Firmen viel Geld sparten. Als "Sklavenhalter mit Telefon" musste er sich seinerzeit von Gewerkschaftsführer Heinz Kluncker verteufeln lassen.
Doch solche Anwürfe können den Drang des "Saubermanns der Republik" nach maximalem Profit und weiterer Expansion nicht brechen. Das nächste Ziel: Auch nach Einführung des Euro will der clevere Schwabe in jedem Fall Umsatzmilliardär bleiben. Und das Geheimnis seines Erfolges? "Man braucht Glück", sagt Dussmann lapidar, "und natürlich braucht man eine Nische".
Christian Keun