Die reichsten Deutschen Der streitbare Presse-Zar von Köln
Hamburg - In der Rheinmetropole führt publizistisch kaum ein Weg an Alfred Neven DuMont vorbei. Vom Boulevardblatt "Express" über die Abonnementzeitungen "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Kölner Rundschau" bis hin zum Gros der Anzeigenblätter reicht das verlegerische Angebot des Fast-Monopolisten. Nicht zu vergessen, den DuMont Buchverlag und die Beteiligungen an privaten Hörfunksendern.
Kaum verwunderlich also, dass DuMont die Kölner Medienlandschaft für sein ureigenes Revier hält. Wer es ihm streitig zu machen versucht, zieht leicht den Zorn des "Platzhirschen" auf sich. Unlängst traf es Fritz Pleitgen, den Intendanten des WDR.
Im Umgang mit Konkurrenten: ruppig bis rüde
Pleitgens Sender will künftig "Metropolenfernsehen" machen. Die Aussicht auf täglich je 35 Minuten Lokales aus Köln und aus Dortmund waren dem Großverleger Grund genug, dem Intendanten eine "aggressive Hauspolitik" vorzuwerfen. "Ihnen, Herr Pleitgen, wird es zweifellos gelingen, die Auflagen der Tageszeitungen in Köln und damit den Lesermarkt weiter abbröckeln zu lassen", echauffierte sich DuMont in einem geharnischten Brief.
Ein haltloser Vorwurf, wie die meisten Beobachter urteilen. Der geschäftstüchtige Sohn einer alten Kölner Patrizierfamilie habe nur einen Vorwand gesucht, um unliebsame Konkurrenz rechtzeitig auszustechen. Denn schon länger plant DuMont im Verbund mit der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" ein eigenes Regionalprogramm.
Zimperlichkeit oder gar Rücksichtnahme sind eben nicht das Fundament, auf das sich ein Verlagsimperium mit über dreihundertjähriger Geschichte gründet. Im Stammbaum der Familie findet sich der erste Verleger schon im 17. Jahrhundert. Einen regelrechten Medienkonzern mit rund 3400 Mitarbeitern und einer Milliarde Mark Umsatz im Jahr geschaffen zu haben, ist allerdings das Verdienst Alfred Neven DuMonts.
Mit dem "Express" auf den Boulevard
1953 trat der heute 74-jährige studierte Philosoph, der im Axel Springer Verlag und bei der "Süddeutschen Zeitung" das journalistische Handwerk erlernte, in das Verlagshaus DuMont Schauberg ein. Nur zwei Jahre später wurde er publizistischer Leiter der "Kölner Rundschau". Mitte der sechziger Jahre gründete DuMont das Boulevardblatt "Express" - regional härtester Konkurrent der "Bild"-Zeitung.
Nach dem Tod seines Vaters Kurt stieg DuMont zum alleinigen Herausgeber des "Kölner Stadt-Anzeigers" und des "Express" auf. 1971 beteiligte er sich mit 33,3 Prozent an der Münchener "Abendzeitung", 1982 zudem an der "Kölner Rundschau". Vor rund zehn Jahren schließlich zog sich DuMont aus der Geschäftsführung seiner Verlagsgruppe zurück. Bestimmenden Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens nimmt er seither als Chef des Aufsichtsrats.
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Wie bestimmend dieser Einfluss sein kann, erfuhr ein Redakteur seines "Stadt-Anzeigers" vor ein paar Jahren am eigenen Leib. Der Journalist hatte versucht, die Verquickungen des DuMont-Reisebuch-Verlagsbereiches und der Tourismusindustrie unter die Lupe zu nehmen. Kurzerhand und im Alleingang setzte DuMont den Unbotmäßigen daraufhin vor die Tür.
Klartext reden, bleibt die Devise
Für diese Personalentscheidung nach Gutsherrenart verlieh die IG Medien dem Kölner Zeitungs-Zaren 1996 den "Goldenen Maulkorb". Den geschassten Redakteur musste DuMont auf Geheiß des Arbeitsgerichts wieder an seinen alten Schreibtisch setzen.
Indessen steht nicht zu befürchten, dass sich Alfred Neven DuMont in Zukunft größere Zurückhaltung auferlegt. Anlässlich eines Offenen Briefes an Ignatz Bubis machte er einmal unmissverständlich klar, was ihm an unserer Gesellschaft nicht recht behagt: Ihre Coolness und bemühte Ausgewogenheit. "Und wenn mal ein spitzes Wort erscheint, war es dann am Schluss wieder gar nicht so gemeint." DuMont wird weiter Tacheles reden und bisweilen übers Ziel hinausschießen.
Christian Keun