Die reichsten Deutschen: Eckhard Pfeiffer - "Mister Turn-around" - DER SPIEGEL
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Die reichsten Deutschen Eckhard Pfeiffer - "Mister Turn-around"

Binnen drei Jahren führt Eckhard Pfeiffer Compaq aus der Verlustzone und an die Weltspitze. Als der erste Angestellte des Konzerns - unfreiwillig - abtritt, ist er dank Abfindung und Aktienoptionen ein gemachter Mann. Sein Vermögen wird auf 900 Millionen Mark taxiert.
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Hamburg - Schauplatz Houston/Texas, die Summit Arena im Januar 1995. Vor 16.000 frenetisch jubelnden Mitarbeitern und ihren Familien tritt Compaq-CEO Eckhard Pfeiffer ans Mikrofon und verkündet mit stolzgeschwellter Brust: "Wir haben es geschafft. Wir sind die Nummer eins."

An diesem Tag - seinem Tag - gibt der damals 53-Jährige die für ihn sonst so typische Zurückhaltung völlig auf. Euphorisch die Rede, geradezu exaltiert der Auftritt: Der in Nürnberg aufgewachsene Wahl-Texaner tritt in original bayerischen Lederhosen vor die Belegschaft.

Vom Flüchtlingsjungen zum amerikanischen Helden

Der Konzernchef steht auf dem Gipfel seines beruflichen Erfolges und blickt auf eine steile Karriere zurück. 1941 in Schlesien geboren, flieht er 1944 mit seiner Mutter und zwei Geschwistern nach Bayern. Nach Abschluss der Handelsschule und anschließendem Studium in den USA startet er seine Karriere bei Telefunken, wechselt aber rasch zu Texas Instruments und kommt schließlich 1983 zu Compaq.

1991 übernimmt er die Führung des angeschlagenen Konzerns, der zu diesem Zeitpunkt 70 Millionen Dollar Verlust macht. Der neue Chef legt ein knallhartes Sanierungsprogramm auf, senkt die Kosten. Schon 1992 macht Compaq wieder Gewinn: Stattliche 213 Millionen Dollar. Der nächste Schritt: Mit aggressiven Preisen lehrt Pfeiffer die Konkurrenz das Fürchten. 1993 erringt er die Marktführerschaft bei tragbaren Computern, ein Jahr später bei Personalcomputern insgesamt. IBM ist abgehängt. "Mister Turn-around" - wie ein Held wird der Mann aus Deutschland in Amerika gefeiert.

Der Gestrauchelte in Schambachs Diensten

Er sei immer schon "von Grund auf competitive" gewesen, sagt Pfeiffer, ein Wettkampftyp eben. Aber auch die verlieren mal. Für ihn ist das Rennen 1999 gelaufen. Sein Plan, Compaq durch Übernahme von Tandem und Digital Equipment noch schlagkräftiger zu machen, misslingt gründlich. Im April 1999 muss der einstige Weltmarktführer drastische Gewinneinbußen hinnehmen. Die Aktie stürzt um mehr als 20 Prozent. Pfeiffer stürzt mit. Mangelnde soziale Kompetenz wird ihm später angelastet, allzu kompromisslose Härte bei einsam gefällten Entscheidungen.

Seit Oktober 1999 steht Pfeiffer nun Intershop-Gründer Stephan Schambach mit Rat und Tat zur Seite, als Chairman in dessen Softwareschmiede. Er soll auf dem US-amerikanischen Markt die Türen öffnen. Sicher kein leichtes Unterfangen für einen, dem ehemalige Mitarbeiter "weniger Ausstrahlung als einer Computer-Tastatur" attestieren.

Nur gut, dass den als äußerst beherrscht geltenden Pfeiffer so leicht nichts aus der Ruhe bringt. Es sei denn, man fährt seinen nagelneuen Porsche Turbo in den Graben. Über das Missgeschick des bedauernswerten Mechanikers soll Pfeiffer seinerzeit außer sich geraten sein vor Wut.

Christian Keun