Die reichsten Deutschen Großmeister des Tausendfüßlers
Hamburg - Hans Joachim Langmann lässt sich mit seinen 76 Jahren als "älterer Herr" beschreiben. Der Mann mit dem breiten Scheitel ist hochgewachsen und schlank, vornehm, scharfsinnig, distanziert - niemand, dem man einfach so auf die Schultern klopfen kann. Über 30 Jahre leitete er die Geschicke des Pharmakonzerns Merck. 1961 heiratete der promovierte Physiker und Diplomatensohn Marlis Groos und wurde damit Teil des über 400 Jahre alten, weitverzweigten Merck-Geschlechts. 1964 stieg Langmann in die Geschäftsleitung des Familienunternehmens ein, 1972 übernahm er den Vorsitz. Seitdem ist er das unangefochtene Oberhaupt im Merck-Clan. Seine Machtfülle war Jahrzehnte grenzenlos. Als Vorsitzender des Gesellschafterrats konnte er sich gewissermaßen selbst kontrollieren. Niemand durchschaute wie er das Rechnungswesen, die Steuern und die Finanzen des breit diversifizierten Pharma-Imperiums. Der nach sechs Generationen stark zersplitterten Familie kam es sehr entgegen, dass jemand mit Weitblick das Familienerbe zusammenhielt - und mehrte. Langmanns Vermögen wird auf neun Milliarden Mark geschätzt, Platz 18 im manager magazin-Ranking der reichsten Deutschen. Beharrlich und zielstrebig Beharrlich und zielstrebig trieb Langmann die Internationalisierung des Unternehmens voran. Unter seiner Führung entwickelte sich Merck von einem Unternehmen mit 570 Millionen Mark Umsatz und 12.000 Beschäftigten 1970 auf die heutige Größe von 13 Milliarden Mark Umsatz und rund 33.000 Mitarbeitern. 1995 wandelte er das Unternehmen in eine KGaA und brachte die Aktien im Herbst an die Börse. Auf dem Parkett wurde sein stetiger, aber eher unspektakulärer Kurs allerdings nicht gerade gefeiert, zum Leidwesen Langmanns. Der Grandseigneur fühlt sich seither von den Investoren missverstanden und ungerecht behandelt. Dabei hat die schwache Performance mehrere Gründe. Zum einen ist die Produktpalette aus dem Hause Merck mit 20.000 Artikeln - Schwerpunkte Pharma, Spezialchemie und Labor - recht breit, Synergien zwischen den Arbeitsbereichen existieren kaum. Als "behäbiger Tausendfüßler" wurde der Konzern bezeichnet, als Sammelsurium, dem die schlüssige Gesamtstrategie fehlt. Analysten sehen allerdings in der Rechtsform des Konzerns den Hauptgrund für das geringe Interesse. Rund 100 Mitglieder der Familie Merck halten circa 74 Prozent des Aktienkapitals und können die Interessen außenstehender Investoren somit blockieren. Ohne Faxgerät geht gar nichts Zeit seines Lebens verschmolzen für Hans Joachim Langmann Arbeit und Hobby zu einem, besondere Neigungen außerhalb des Berufslebens sind nicht bekannt. Angeblich soll er sich selbst im Urlaub nur dann entspannen können, wenn ein Faxgerät in seiner Nähe steht. Dennoch ist ihm nach 30 Jahren an der Spitze - was bundesweit seines Gleichen sucht - ein Schnitt gelungen. Auf der Hauptversammlung 2000 versprach er, sich zukünftig aus dem operativen Geschäft herauszuhalten und sich ganz auf seine Aufgabe als Vorsitzender der Geschäftsleitung von E. Merck zu konzentrieren. E. Merck vertritt den Kapitalanteil der Familie Merck. Bisher hält er Wort und lässt seinem Nachfolger Bernhard Scheuble freie Hand. Scheuble, ebenfalls promovierter Physiker, wurde von Langmann eigens zur Nachfolge herangezogen. Bleibt abzuwarten, wie lange Langmann Distanz hält, wenn es um sein eigenes Geld geht. Katy Hillmann, manager-magazin.de