Die reichsten Deutschen Lenker im Hintergrund
Hamburg - Ein Gespenst ging um in München, ein Gerücht, das selbst hartgesottene Manager um den Schlaf bringen konnte: Die Quandts, hieß es, wollten ihre Anteile an den Bayerischen Motorenwerken verkaufen. Die Erben des einst als "BMW-Retter" gefeierten sähen ihr Geld in der New Economy besser aufgehoben als bei den Autobauern von der Isar.
Völlig aus der Luft gegriffen schienen diese Spekulationen nicht. Während sich das Rover-Engagement der Bayern nach und nach als gewaltiges Fiasko entpuppte, waren die Verheißungen der "Neuen Wirtschaft" in diesen Tagen grenzenlos. Zudem besaß Stefan Quandt - Sohn Herbert Quandts aus dessen Ehe mit Johanna Quandt - einige Erfahrungen in der Hightech-Branche, etwa als Marketing-Manager und Mitglied des Executive Committee der Datacard.
Das Bekenntnis erneuert
Das Problem Rover ließ sich jedoch nicht en passant aus der Welt schaffen. Und während angestrengt nach einer akzeptablen Lösung gesucht wurde, gingen die Kurse an den Neuen Märkten auf Talfahrt. In dieser Situation dürfte es den Quandts nicht schwer gefallen sein, ihr Bekenntnis zu BMW zu erneuern. Stefan Quandt und seine ältere Schwester Susanne, verheiratete Klatten, forcierten erst den Rauswurf des zuletzt glücklos agierenden BMW-Chefs Bernd Pischetsrieder und erzwangen dann eine Lösung der Rover-Frage.
Seit Mutter Johanna Quandt und der Generalbevollmächtigte der Familie, Hans Graf von der Goltz, ihre Aufsichtsratsmandate niedergelegt haben, wachen Stefan und Susanne im BMW-Kontrollgremium über das Wohlergehen des Konzerns - und die Wahrung familiärer Interessen. Quandt junior amtiert inzwischen als Stellvertreter von Volker Doppelfeld, ist mithin Vize-Chef des Aufsichtsrats. Größte Einzelaktionärin ist die Familie mit annähernd 50 Prozent der Anteile nach wie vor.
Kein Aufsehen erregen
Anders als viele schwerreiche Sippen haben die Quandts ihr Vermögen nicht in einer Familienstiftung gebündelt oder unter dem Dach einer Holding zusammengefasst. Jedes Familienmitglied handelt auf eigene Rechnung. Dazu gehört im Falle Stefan Quandts neben der 17,4-Prozent-Beteiligung an BMW vor allem die Bad Homburger Management-Holding Delton, die Beteiligungen in den Bereichen Arzneimittel, Logistik, Mode, Stromversorgung und Verpackungen hält. Alles in allem beläuft sich das Vermögen des 35 Jahre alten Wirtschaftsingenieurs auf schätzungsweise 9,4 Milliarden Mark.
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Wie viele der deutschen Superreichen versucht auch Stefan Quandt, Aufsehen um seine Person möglichst zu vermeiden. In der Öffentlichkeit ist wenig von ihm zu hören und zu sehen. Interviews lehnt die Familie ohnedies "aus Sicherheitsgründen" seit Jahren ab. Auch in den zum eigenen Portfolio gehörenden Unternehmen hält sich Quandt vorzugsweise im Hintergrund. Und so beschränkt sich sein unternehmerisches Engagement auf die Tätigkeit in Aufsichts- und Verwaltungsräten, bei BMW und Delton ebenso wie etwa beim Versicherer Gerling.
Tilman Weigel, manager-magazin.de