Die reichsten Deutschen Milliarden mit Wasser, Schnaps und Zigarren
Hamburg - Otto Fürst von Bismarck hatte seine Grundsätze: Jeden Tag ein gutes Dutzend Zigarren, dazu einen ordentlichen Rotwein aus Bordeaux und hin und wieder auch ein Spielchen. So ließ es sich regieren, auch wenn die Katholiken und Sozialdemokraten - in seinen Augen allesamt vaterlandslose Gesellen - ihm das Regieren immer wieder sauer machten.
Ärgerlich wurde der preußische Landjunker nur, wenn es die Behörden mit seiner Zahlungsmoral allzu genau nahmen. Sehr aufschlussreich ist hier ein Blick in die Memoiren des Regierungsassessors Gerlach. Der biedere Beamte wurde von seinem Landrat angewiesen, "die Steuererklärungen Bismarcks, so unrichtig sie auch bei bloßem Ansehen sein möchten, in keinem Fall zu beanstanden: das würde ihn entsetzlich aufregen".
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Vielleicht war diese Aversion gegen den Fiskus ja dem Umstand geschuldet, dass der Kanzler, der später als der Eiserne in die Geschichte einging, 1837 im Casino zu Wiesbaden ein kleines Vermögen zersägt hatte und fortan umso sorgfältiger auf sein Geld achtete. So sorgfältig, dass er bei seinem Abschied im Jahre 1890 noch einmal tief in die Schatulle griff und sich mit 231.000 Mark von dannen machte. Das jedenfalls schreiben die Historiker.
Ob diese selbstverliehene, nun ja, "Abfindung" der Grundstock für das heutige Vermögen der Familie Bismarck war, ist nicht zu eruieren. Vermutlich aber nicht. Immerhin hatte der Kaiser sich nicht lumpen lassen und seinen brummigen Kanzler für den Frieden von Frankfurt nach dem Kriege 70/71 ordentlich belohnt.
Und wie es sich für einen Kaiser gehört, fiel die Belohnung standesgemäß aus. Bereits wenige Tage später, am 24. Juni, erhält Bismarck das im Osten Hamburgs gelegene Rittergut Friedrichsruh als Geschenk - dazu den Sachsenwald, der heute eine Fläche von fast 6000 Hektar hat. Den Fürstentitel gibt's als Dreingabe.
Die Erben haben gut gewirtschaftet. Der Sachsenwald steht immer noch, Schloss Friedrichsruh ist prächtiger denn je, und das Vermögen derer von Bismarck wird von Fachleuten auf 2,2 Milliarden Mark taxiert. Verwaltet wird das alles von dem vierten Fürsten, dem Urgroßenkel Ferdinand, der im November letzten Jahres seinen 70. Geburtstag feierte. Seine Kinder, vier an der Zahl, hat es in alle Welt verschlagen: Gottfried lebt in London, Gregor in Los Angeles, Vanessa in New York, und nur der designierte Erbe, Carl Eduard, blieb dem heimischen Aumühle treu.
Aus dem ehemaligen Jet Setter ist ein veritabler Business Man geworden. Vorbei die Zeiten, in denen er vor Hamburger Discotheken Autos rammte und in der Folge seines Führerscheins verlustig ging. Heute widmet sich der Fürsten-Sohn mit Hingabe dem Geschäft, und das hat vor allem mit Zigarren zu tun. Schließlich gab es bereits den Fürst Bismarck Schnaps und das Mineralwasser aus der Fürst Bismarck Quelle (gehört heute dem Nestlé-Konzern) - da bot sich ein weiteres Standbein im Bereich Nahrungs- und Genussmittel geradezu an.
Und das Geschäft läuft gut. Während seine Tante Gunilla auf Marbella von sich reden macht, hat Calle, wie ihn seine Freunde nennen, ein neues Label aufgebaut: Die Bismarck-Zigarre, die sich unter Freunden guter Tabakwaren großer Beliebtheit erfreut. Das einzige, was im Hause Bismarck jetzt noch fehlt, ist der sechste Fürst, ein Stammhalter. Aber auch daran, so ist zu hören, wird gearbeitet. Noblesse oblige.
Clemens von Frentz