Die reichsten Deutschen: Milliarden mit Wörterbüchern - DER SPIEGEL
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Die reichsten Deutschen Milliarden mit Wörterbüchern

Vom Selbstlernbrief zum Übersetzungsservice via Internet: Langenscheidt bietet fast alles an, was mit Sprachen zu tun hat. Das Milliardenvermögen aber verdankt die Familie immer noch dem guten alten Wörterbuch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Da unternahm er vor rund 150 Jahren wunderschöne ausgedehnte Wanderungen durch Europas Staaten und grämte sich trotzdem: "Ich habe immer wieder das peinliche Gefühl, unter Menschen nicht Mensch sein, meine Gedanken nicht austauschen zu können", klagte Gustav Langenscheidt.Der weit gereiste Gustav hatte offenbar große Schwierigkeiten mit den fremden Sprachen. Wieder in Berlin machte er aus der eigenen Not sogleich ein Geschäft. 1856 gründete er die "Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung". Ihr erstes Produkt war ein "Brieflicher Sprach- und Sprechunterricht für das Selbststudium der französischen Sprache".Heute ist der Name Langenscheidt das Synonym schlechthin für Wörterbuch. Der kleine Berliner Familienbetrieb reifte in rund 150 Jahren zur internationalen Verlagsgruppe mit 1500 Mitarbeitern. Und noch immer gibt die Verlegerfamilie den Ton an, mittlerweile in der fünften Generation. Mit Marken wie Polyglott, Duden, Brockhaus und - man hat die Zeichen der Zeit erkannt - deren Multimedia-Fassungen setzte die Langenscheidt-Gruppe im vergangenen Jahr rund eine halbe Milliarde Mark um und brachte es auf Platz 91 im Ranking der reichsten Deutschen. Die Geschäfte des Stammhauses, eine Kommanditgesellschaft, an der Neusser Straße in München führt seit Mitte der achtziger Jahre der gelernte Wirtschaftsingenieur Andreas Langenscheidt, 48. Unspektakulär sein Stil, überzeugend seine Ergebnisse.Ihm zur Seite stand lange Zeit sein drei Jahre jüngerer Bruder Florian. Der Schöngeist der Familie - nach dem Studium der deutschen Literatur und der Philosophie summa cum laude zum Dr. phil. promoviert - schied 1994 auf eigenen Wunsch aus der Geschäftsführung aus. "Aufbruch zu neuen Ufern", kommentierte er diesen Schritt. "Edel-Frührentner" nannten ihn andere.Ins schöne Erbenleben hat sich der Vater zweier Söhne allerdings nicht zurückgezogen. Der 45-Jährige, als Kinderbuchautor, Wirtschaftskolumnist und Fernsehmoderator gleichermaßen renommiert, ist vor allem als Venture Capitalist zu einer Institution geworden. Bisweilen beteiligt sich der Langenscheidt-Spross gar an technischen Neuerungen wie "E-Books", die den gebundenen Blättern ans Leder wollen. Der Zukunft des traditionsreichen Verlagshauses im Internetzeitalter sieht der innovationsfreudige "Business Angel" trotzdem gelassen entgegen. Erstens, weil er überzeugt ist, dass die Firma bei seinem älteren Bruder "in guten Händen liegt". Und zweitens, weil ein Buch immer auch ein "sinnliches" Erlebnis bleiben wird: "Ein Buch nimmt man in die Hand, riecht es, fühlt es und blättert darin. Eine DVD kann man nicht aufschlagen." Er ist eben doch ein Germanist, der Herr Risikokapitalgeber. Christian Keun, manager-magazin.de