Die reichsten Deutschen: Öko-Freak im Nadelstreif - DER SPIEGEL
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Die reichsten Deutschen Öko-Freak im Nadelstreif

Aus dem Krämerladen seiner Urgroßeltern hat Erivan Haub einen international operierenden Handelskonzern gemacht. Dabei wäre er um ein Haar enterbt worden.
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Hamburg - Die Erfolgsgeschichte des Tengelmann-Konzerns ist fast ein Produkt des Zufalls. Die Führung des Lebensmittelfilialisten traute Firmenpatriarch und Gründerenkel Karl Schmitz-Scholl seinem Neffen, Erivan Karl Mathias Haub, jedenfalls nicht zu. Enterben habe er ihn wollen, verhindern, dass Erivan in den Besitz seines 50-Prozent-Anteils an dem Familienunternehmen und damit an die Tengelmann-Spitze gelangt, so das manager magazin.Ironie des Schicksals: Schmitz-Scholl verstarb, ehe er mit seiner Drohung ernst machen konnte. Und so setzte Haub von 1969 an ins Werk, was der Onkel nie und nimmer für möglich gehalten hatte. Statt den Laden nach spätestens vier Jahren verkaufen zu müssen, wie Schmitz-Scholl einst prophezeit hatte, forcierte Erivan Haub mit viel Fortune die Expansion des 1867 von den Urgroßeltern unter dem Namen "Wilh. Schmitz-Scholl", kurz Wissol, als Kolonialwaren-Großhandlung etablierten Traditionshauses. Der Krämer kauft groß ein Ähnlich unternehmungslustig zeigte sich der Groß-Krämer im Inland. Den Tengelmann-Supermärkten stellte er nicht allein den Marken-Diskonter Plus sowie die Grosso- und Magnet-SB-Warenhäuser zur Seite. Hinzu kamen die Obi Bau- und Heimwerkermärkte sowie eine Ladenkette für Billig-Textilien. Kaum ein Artikel des täglichen Gebrauchs also den Höker Haub seiner in Millionen zählenden Kundschaft nicht feil bot. Schildkrötensuppe und Froschschenkel tabu Nach innen pflegte der expansionsfreudige Eigentümer-Unternehmer dabei einen patriarchalischen Führungsstil alter Fasson. Motto: Einmal ein Tengelmann, immer ein Tengelmann. Oder wie Haub es formulierte: "Wenn sich jemand für uns entschieden und keine goldenen Löffel geklaut hat, dann sollte er bei uns seine Heimat finden." Arbeitnehmervertreter schätzten es, dass der Firmenlenker ihren Vorschlägen bisweilen auch gegen den Willen seines Managements folgte. Um dies hohe Ansehen bei den Mitarbeitern nicht zu gefährden, überließ der Patron das Überbringen schlechter Nachrichten denn auch geflissentlich anderen.Öffentlich für Furore sorgte Haub indes weniger mit seiner bemüht sozialen Art der Unternehmensleitung als durch sein ausgeprägtes ökologisches Verantwortungsbewußtsein. Schildkrötensuppe und Froschschenkel strich er frühzeitig aus dem Sortiment, nahm keine phosphathaltigen Waschpulver mehr ab, orderte nur noch Sprays mit umweltverträglichen Treibgasen und ließ vor dem Hintergrund des Brent-Spar-Debakels die firmeneigenen Fahrzeuge Shell-Tankstellen boykottieren, um gegen die geplante Versenkung der Ölplattform im Meer Stellung zu beziehen.So konsequent Haub sich dem Arten- und Naturschutz verschrieb, dafür auch ökonomische Einbußen hinnahm, so konsequent schob er aber auch überfällige Einschnitte und Restrukturierungsmaßnahmen auf die lange Bank. Die Quittung erhielt der Tengelmann-Herrscher vor knapp zehn Jahren, als sich in der Kasse ein Milliardenloch auftat. Das Traditionshaus gerät zum Sanierungsfall Christian Keun, manager-magazin.de