Die reichsten Deutschen Otto der Umtriebige
Hamburg - Die Lehrer waren zufrieden. Der Sohn eines Gutsverwalters aus Vossnacken galt als ausgesprochen guter Schüler. Doch die Eltern hatten nicht das Geld, ihrem Otto den Besuch des Gymnasiums zu finanzieren. Statt des Abiturs machte der Junior deshalb eine Lehre in der Lederindustrie.
Auch ohne die "höhere Schule" besucht zu haben, wurde Otto Beisheim einer der reichsten und mächtigsten Männer der Republik. Nachdem er im Elektrohandel bis zum Prokuristen aufgestiegen war, machte er sich schließlich 1964 mit einem Cash-and-Carry-Großhandel selbständig.
Cash durch Cash-and-Carry
Bei dieser Geschäftsform wird auf teure Lieferungen verzichtet. Die Kunden bezahlen ihre Waren sofort und nehmen sie gleich selbst mit. Die Idee dazu kam Otto Beisheim angeblich bei einem USA-Besuch. Anderen Quellen zufolge soll er sich das Konzept bei der Großhandlung "Terfloth & Snoek" abgeschaut haben.
Metro machte nicht nur Beisheim zum Multimilliardär - geschätztes Vermögen: elf Milliarden Mark. Auch die Familien Schmidt-Ruthenbeck und die Haniel-Holding begründen ihre Vermögen zum großen Teil auf den Erfolg des Unternehmens. Die Brüder Michael und Reiner Schmidt-Ruthenbeck etwa waren Spar-Großhändler im Ruhrgebiet und wurden wegen ihrer Branchenerfahrung mit an Bord genommen. Die Haniel-Dynastie, durch Kohle und Stahl zu Wohlstand gelangt, suchte eine lukrative Geldanlagemöglichkeit und stieß 1967 hinzu.
Um die Großhandelsmärkte herum ist mittlerweile ein Imperium entstanden, das sein Geld außer in den Handel auch in Internetfirmen und Immobilien investiert. Über die Beisheim Holding Schweiz (BHS) hält der Multimilliardär Anteile an Internetunternehmen wie Scout24 oder dem Wagniskapitalgeber XL Venture in Wiesbaden.
Metro selbst ist mittlerweile ein börsennotierter Handelskonzern, zu dem neben den Großhandelsmärkten unter anderem die Warenhauskette Kaufhof, der Baumarkt Praktiker und der Elektronikmarkt Saturn gehören. Das Unternehmen entstand im Juli 1996 aus der Verschmelzung von Metro Cash & Carry, der Kaufhof Holding AG und Asko Deutsche Kaufhaus AG.
Durch den Gang an die Börse musste die Metro AG erstmals ihre Bilanzen offen legen. Wie die Aldi-Brüder oder Lidl-Patriarch Dieter Schwarz scheut Beisheim die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser. An Hauptversammlungen der Metro AG soll er angeblich unerkannt teilnehmen.
Was hinter den Türen der Otto Beisheim Vermögensverwaltung und der Beisheim Holding Schweiz vorgeht, bleibt auch weiter der Öffentlichkeit verborgen: Keine der beiden Firmen ist an der Börse notiert, der Publizitätspflicht unterliegen sie nicht.
Freund Leo aus der Patsche geholfen
Trotzdem rückt Otto Beisheim öfter, als ihm vermutlich lieb ist, ins Licht der Öffentlichkeit. Immer mal wieder sorgt dafür seine enge Verbindung zum bayerischen Medienmogul Leo Kirch. 1990 kaufte Beisheim 2500 Filme von dem Münchner Rechtehändler, die er an Privatsender weiterverkaufte. Der Deal rettete Kirch damals vor dem Aus. Beisheim engagierte sich auch bei Kabel 1, einem Fernsehsender der von Kirch dominierten ProSieben-Gruppe, bevor er 1995 aus dem direkten Fernsehgeschäft wieder ausstieg.
Daneben sorgen Beschwerden von Einzelhändlern, Gewerkschaften und Lieferanten für regelmäßige Presse. Übermäßige Rabattforderungen und unerlaubte Geschäfte mit dem Endverbraucher wurden moniert. Dem Erfolg der Metro tat die Kritik keinen Abbruch. Der Vorwurf, Beisheim haben im Dritten Reich der Waffen-SS angehört, konnte weder bestätigt noch dementiert werden.
Zurzeit baut Beisheim sich in Berlin sein eigenes Denkmal. Gleich neben dem Sony-Center am Potsdamer Platz wird das "Beisheim-Center", zu dem auch ein 19-stöckiges Hochhaus gehört, entstehen. Läden, Cafes, Restaurants und zwei Hotels sollen Leben in Berlins Mitte bringen. Neben Büros sollen auch Wohnungen gebaut werden - im oberen Preissegment versteht sich.
Dass Beisheim selbst dort einzieht, gilt als eher unwahrscheinlich. Der Multi-Milliardär besitzt bereits zahlreiche Wohnungen rund um den Globus, unter anderem in Paris und in Kalifornien, vor allem aber an mehreren Orten in der Schweiz, deren Staatsbürger der Tycoon seit 1988 ist.
Tilman Weigel, manager-magazin.de