Die reichsten Deutschen Postillen für Millionen
Hamburg - Viel ist es nicht, was man über den Patron des Hamburger Zeitschriftenkonzerns weiß. Heinz Bauer will es so, kein Zweifel.
Der Mann im Hintergrund
"Wer nicht möchte, dass er dauernd im Scheinwerferlicht der Medien erstrahlt, der kann das auch erreichen." Bauer weiß, wovon er spricht. Seit Jahren macht sich der Hamburger Großverleger öffentlich so rar wie kaum ein Zweiter seiner Zunft. Kein hintersinniger Trick - diese Abstinenz vom Publikum, versicherte er einem ausgewählten Interviewer. "Es ist meine Natur."
Weder sein 60. Geburtstag im Oktober 1999 noch das 125-jährige Bestehen des Verlagshauses im Jahr darauf waren dem Introvertierten Anlass genug, über seinen Schatten zu springen. Der Geburtstag blieb Familiensache, die das Jubelfest eröffnende Begrüßungsrede hielt Gattin Gudrun. Gäbe es mehr von seiner Sorte, ihm müsste Angst und Bange werden um seine Geschäftsgrundlage.
Der Mann unter dem Regenbogen
Das Wohl und Wehe der Blaublütigen dieser Welt, Lieben und Leiden von Stars und Sternchen nennen viele seiner Redakteure ihr täglich Brot. Ob "Das Neue", "Neue Post" oder "Das neue Blatt" - im Wochentakt liefern Bauers Gazetten Berichte zur Lage der Prominenz. Daneben sind es Fernseh-, Frauen- und Jugendzeitschriften - nicht zu vergessen einige weitgehend inhaltsfreie Busen-Blättchen - die seine Firma unter die europäischen Spitzenreiter der "Regenbogenpresse" gebracht haben.
Weltweit publizieren Bauers gut 5900 Mitarbeiter rund 100 Zeitschriften. Mehr als 100 Firmen umfasst das Medienreich des gelernten Schriftsetzers und Buchdruckers heute. Der Umsatz liegt bei drei Milliarden Mark. Auf exakt das Doppelte wird das Vermögen des Verlagschefs taxiert, der 88 Prozent der Anteile an der Bauer KG hält und seine Firma als Vorstand und Aufsichtsrat in Personalunion führt. Eine ähnlich dominante Stellung wie Heinz Bauer in seinem Haus nimmt kein anderer deutscher Verleger ein.
Oberster Buchhalter, strategischer Ideengeber, verlegerischer Kopf - der Chef spielt alle wichtigen Rollen selbst. Dabei sei Bauer, lästern Insider, einigermaßen beratungsresistent. Engste Vertraute und gesuchteste Beraterin ist ihm die Ehefrau geworden. Außerdem neige der Konzernherr zur Pedanterie und belaste sich allzu sehr mit Kleinkram. So ist es ihm in der Vergangenheit trotz stagnierender Geschäfte zwar immer wieder gelungen, das Ergebnis zu optimieren. An Dynamik aber hat der Zeitungsriese nach und nach verloren.
Der Mann über den Wolken
Eine wirklich innovative Publikation, ein großer Wurf eben, ist dem Verleger in letzter Zeit nicht gelungen. Im Gegenteil. Bauers Versuch, sich aus dem Tal der Massenware zu erheben und zu publizistischen Höhen aufzusteigen, scheiterte grandios. "Ergo" hieß das ambitionierte Projekt. Der Plan: Sich mit einer Edelmarke unter den renommierten Nachrichtenmagazinen etablieren. Zwei volle Jahre experimentierte die Bauer-Truppe herum, kam über Null-Nummern nicht hinaus und setzte sagenhafte 50 Millionen Mark in den Sand.
Andere als geschäftliche Bruchlandungen blieben Heinz Bauer bislang erspart. Souverän und mit ungebrochener Begeisterung sitzt er noch immer selbst hinter dem Steuerknüppel, wenn er Termine fernab der Hansestadt wahrzunehmen hat. "Da oben über den Wolken ist man auf sich allein gestellt, man hat hohe Verantwortung für sich selbst und die Passagiere, und man erlebt, dass alles Alltägliche von einem abfällt." Klingt nach echter Passion - und ein klein wenig entrückt.
Christian Keun