Die reichsten Deutschen: Sich selbst der Nächste - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Die reichsten Deutschen Sich selbst der Nächste

Friedrich Karl Flicks Name steht als Synonym für die Käuflichkeit deutscher Politik. Knapp zwanzig Jahre nach der "Flick-Affäre" ist ihr Urheber längst schwerreicher Privatier.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Friedrich Karl Flick will vor allem eines haben: seine Ruhe. Diese findet der 74-Jährige in der Steiermark. Dorthin zog sich der Haupterbe des größten deutschen Privatimperiums 1994 zurück. Er hatte auch schon seit längerer Zeit den österreichischen Pass. Im Gegensatz zu Deutschland biete Österreich "immerhin Rahmenbedingungen, die eine Erhaltung des Vermögens möglich machen", nannte Flick im Sommer 1998 dem "manager magazin" als Grund für seinen Umzug in die Alpenrepublik.

Die Grundlage zum Reichtum der Familie hatte Friedrich Flick gelegt. Dabei hatte Flick senior immer wieder geschickt die herrschenden politischen Verhältnisse zu seinen Zwecken genutzt. Vor allem in der Zeit der Nazi-Herrschaft suchte er die Nähe der Machthaber, ohne mit deren Ideologie zu sympathisieren. Seine Verstrickungen brachten dem Patriarchen vor einem amerikanischen Militärgericht eine Verurteilung zu sieben Jahren Haft ein.

"Politische Landschaftspflege"

Friedrich Karl Flick - jüngster der Söhne des Konzerngründers - setzte die Tradition des Vaters fort, politische Verhältnisse zu Gunsten des Unternehmens auszunutzen. "FKF" trat 1957 als 30-Jähriger in die Familienholding ein. Den Aufstieg zum allmächtigen Herrn des Flick-Imperiums hatte er der Tatsache zu verdanken, dass sein Bruder Otto Ernst sich mit dem Vater stritt.

Als Friedrich Flick 1972 starb, war sein jüngster Spross schon längst an der Spitze angelangt, andere Clan-Mitglieder wie seine Neffen Gert-Rudolf (Muck) und Friedrich Christian (Mick) hatten gar nichts zu sagen. Ab Januar 1975 hatte Friedrich Karl Flick die ungeliebte Verwandtschaft endgültig aus dem Konzern gedrängt.

1975 überraschte er mit dem Verkauf seiner Daimler-Anteile für 1,9 Milliarden Mark an die Deutsche Bank. Nur: Steuern wollte er nicht zahlen. Deshalb betrieben die Flick-Manager wie Eberhard von Brauchitsch "politische Landschaftspflege". Gesät wurde bei den Parteien mit viel Geld oder persönlichen Zuwendungen an einzelne Personen, geerntet wurden umstrittene Steuerbefreiungen.

Der Name zur Affäre

Doch die Arbeit der Landschaftspfleger flog auf. Anfang der achtziger Jahre wurde aus der Parteispendenaffäre die "Flick-Affäre". Der Name Flick musste zur Benennung des Skandals herhalten, weil das Gebaren seiner Manager am meisten Aufsehen erregte. Immerhin wurden zwischen 1969 und 1980 an die CDU/CSU 15 Millionen, an die FDP 6,5 Millionen und an die SPD-Genossen 4,3 Millionen Mark überwiesen. Doch Flick war nicht der einzige: Auch von anderen Firmen hatten sich Schwarz, Gelb, Rot seit Jahrzehnten ihre Parteikassen füllen lassen.

Flick höchstselbst musste vor dem 1983 eingesetzten Untersuchungsausschuss des Bundestages aussagen. Kein leichter Gang für den als menschenscheu beschriebenen Patron. 1985 überraschte er erneut die Öffentlichkeit. Er verkaufte seine sämtlichen Industriebeteiligungen. Geschätzte Einnahme: 5,4 Milliarden Mark. Seitdem konzentriert sich Flick auf sein Privatleben mit seiner 33 Jahre jüngeren dritten Frau.

Taub gegenüber dem Leid der Zwangsarbeiter

Der Name Flick fiel zuletzt in der Diskussion um die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern unangenehm auf. Die Erben des Firmengründers und allen voran Friedrich Karl Flick stellten sich zunächst taub, als die Stiftungsinitiative um einen angemessenen Beitrag bat. Schließlich klebt an den schönen Vermögen der Flick-Nachkommen auch das Blut von Nazi-Arbeitersklaven.

Inzwischen sollen einige Mitglieder der Familie doch darüber nachgedacht haben, in den Fonds der deutschen Wirtschaft einzuzahlen. Unter einem angemessenen Betrag sei eine Summe von 100 Millionen Mark zu verstehen, hieß es. Den größten Teil - nämlich bis zu 70 Millionen Mark - sollte Friedrich Karl Flick berappen. Nach Schätzungen der "Süddeutschen Zeitung" wären dies etwa zwei Monatsverdienste für Flick.

Claas Hennig