Die reichsten Deutschen Verleger-Pionier im Exil
Hamburg - Das Verlagshaus Gruner + Jahr kennen viele. Aber den Unternehmer Richard Gruner? Wer ist der Mann, der einst zu den größten Verlegern im Lande gehörte? Und was macht er heute? Seit er die Bundesrepublik vor rund 30 Jahren in Richtung Liechtenstein verließ, sind Informationen über den gebürtigen Hamburger echte Mangelware.
Das war einmal anders. Am 30. Juni 1965 wurde der Name Gruner schlagartig bekannt. An diesem Tag legte der 1926 geborene Sohn eines Druckereibesitzers, der den väterlichen Sieben-Mann-Betrieb in Itzehoe nach dem Krieg zum Großunternehmen gemacht hatte, den Grundstein für ein Verlagsimperium. Gemeinsam mit John Jahr senior und Gerd Bucerius schuf er Gruner + Jahr.
Zoff mit Spiegel-Gründer Augstein
Gruner, der 39,5 Prozent der Firmenanteile hielt, stieg zum geschäftsführenden Gesellschafter des Zeitungs- und Zeitschriftenverlages auf - einem der größten Deutschlands neben Axel Springer und der Bauer-Gruppe. Die Freude über diesen Aufstieg währte jedoch nur kurz.
Rudolf Augstein, an dessen Spiegel-Verlag sich Gruner drei Jahre zuvor mit 25 Prozent beteiligt hatte, setzte seinem Geschäftsführer prompt den Stuhl vor die Tür. "Interessenkollision" lastete er seinem umtriebigen Statthalter Richard an. Der wehrte sich. Es folgte ein langwieriger Rechtsstreit. Im Februar 1969 schließlich gab Gruner seinen Spiegel-Anteil zähneknirschend an den Herausgeber zurück.
Die Lust am Verleger-Dasein war dem damals 43-Jährigen inzwischen so gründlich vergangen, dass er sich nur Wochen später auch von seiner Beteiligung an Gruner + Jahr trennte. Sein Gewinn insgesamt: Rund 200 Millionen Mark. Das Geld war gut aufgehoben im Steuerparadies Liechtenstein, in das Gruner sich schon 1968 zurückgezogen hatte.
Flieger Gruner macht in Airlines
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Anfang der siebziger Jahre ist Richard Gruner millionenschwer, aber auch die Beschäftigung los, die ihn über ein Jahrzehnt ausgefüllt hat. Die Orientierung verliert der passionierte Pilot mit dem Blindflugschein trotzdem nicht. Gruner investiert - in gewisser Weise naheliegend - in Fluggesellschaften, wird zwischenzeitlich größter Einzelaktionär von American Airlines und Continental Airlines. Beide Linien fliegen Mitte der siebziger Jahre Rekordgewinne ein.
Heute lebt der Mann, der eine runde Milliarde Mark sein Eigen nennt, mit Gattin Flora im schweizerischen Ascona. Dem deutschen Verlagswesen ist er nur noch dem Namen nach verbunden. Leidenschaftlicher Flieger ist er geblieben.
Christian Keun, manager-magazin.de