Die reichsten Deutschen: Waffenschmied mit Vergangenheit - DER SPIEGEL
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Die reichsten Deutschen Waffenschmied mit Vergangenheit

Von der Kunstgießerei zum Technologiekonzern: Während sein Vater vorwiegend Metalle presste, verlegte sich Karl Diehl auf das lukrativere Waffengeschäft. Bis heute machte er damit ein Vermögen von 2,3 Milliarden Mark und landet auf Rang 63 im Ranking der Mega-Vermögenden.
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Hamburg - Ehre, wem Ehre gebührt, sagten sich die Stadtväter Nürnbergs, als sie 1997 beschlossen, Karl Diehl mit ihrer höchsten Auszeichnung zu bedenken. Wegen seiner Verdienste als engagierter Unternehmer, fürsorglicher Firmenpatriarch und großzügiger Mäzen machten sie den damals 90-jährigen Großindustriellen zu ihrem Ehrenbürger. Der schöne Schein trügt. Die Würdigung Diehls war und ist höchst umstritten.Diehls Nürnberger Firma, 1902 vom Vater als Kunstgießerei gegründet, hatte sich unter Karls Ägide zu einem der größten Rüstungsproduzenten der Republik entwickelt. Einen erklecklichen Teil ihres in den vergangenen Jahren jeweils rund drei Milliarden Mark hohen Umsatzes verdankt das Unternehmen Lenkflugkörpern, Zündsystemen und anderem Kriegsgerät. Nicht ohne Stolz zählt sich der Diehl-Konzern selbst zu den wichtigsten Ausrüstern der Bundeswehr und der Nato-Armeen. "Per Kampfpanzer zum Ehrenbürger", kommentierte die nicht für reißerische Aufmacher bekannte Wochenschrift "Die Zeit" die Vorgänge im Land der Bajuwaren. Von der NS-Vergangenheit eingeholt Als sich dann auch noch die Gerüchte mehrten, Diehl habe als "Waffenfabrikant für Hitler-Deutschland" Zwangsarbeiter in seinen Betrieben wie Sklaven schuften lassen, brachen die Dämme. Statt auf einem heimeligen Platz unter den honorigen Bürgern der Stadt fand sich Diehl unversehens am Pranger wieder: "Nürnberg ehrt KZ-Profiteur" titelte "Die Tageszeitung". Die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen beantragte später gar, Diehl die Ehrenbürgerwürde wieder abzuerkennen. Eine in Deutschland wohl beispiellose Initiative, die Christsoziale und Republikaner indessen mit der Mehrheit ihrer Stimmen zu vereiteln wussten. In der Folgezeit berichteten überlebende Zeitzeuginnen - damals in Diehl'schen Betrieben zur Fertigung von Zündern und Granaten für die deutsche Wehrmacht gezwungen - von schweren Misshandlungen. Schlimmer noch: "Kranke und Invalide hat man direkt nach Auschwitz geschickt", erinnerte sich etwa Hela Wolfowicz. Ihr selbst zertrümmerte einer der Werkmeister mit dem Hammer die Fingerknöchel, da sie angeblich zu wenig geleistet hatte.Diehl reagierte zunächst mit einem hier zu Lande wohlbekannten Reflex: Er hätte gar keine andere Wahl gehabt, so die Stellungnahme. "Als Eigentümer eines als 'kriegswichtig' eingestuften Betriebes lag es seinerzeit an mir, mich den vom NS-Regime diktierten Forderungen zu stellen oder - im Zweifel bei Gefahr für Leib und Leben - zu verweigern. Ich habe mich für Ersteres entschieden." Entschädigung für ehemalige Zwangsarbeiterinnen Gleichwohl schien es nun auch Diehl an der Zeit, Reue zu zeigen. Nachdem seine Firma bis dahin Leistungen an ehemalige Zwangsarbeiterinnen stets mit dem Argument verweigert hatte, nicht sie, sondern die Bundesrepublik Deutschland sei zuständig, weil es "sich um eine staatliche Zuweisung von Arbeitskräften" gehandelt habe, ließ der Unternehmer einen freiwilligen Fonds einrichten. Ohne einen juristisch verbindlichen Anspruch anzuerkennen, überwies Diehl jeweils 10.000 bis 15.000 Mark an 180 Jüdinnen, die einst zur Arbeit in seinen Munitionsanstalten gezwungen worden waren. Zugleich beauftragte der Senior einen Historiker, die Geschichte der Firma im "Dritten Reich" zu beleuchten. Den erhofften eindeutigen Freispruch aber erbrachte auch die 350 Seiten starke Expertise des Berliner Professors Wolfgang Benz nicht. Zwar sahen etwa die Kommentatoren der Tageszeitung "Die Welt" Firmenchef Diehl durch das Gutachten entlastet. Weniger konservative Beobachter jedoch interpretierten die ausgewählten Abschnitte, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, keineswegs zu dessen Gunsten. Die Kontroverse kreiste um die viel diskutierte Frage, wann ein Mensch mitschuldig wird an den Verbrechen der NS-Zeit, auch ohne anderen jemals persönlich Gewalt angetan zu haben. Und warum viele Deutsche noch immer mehr Kraft darauf verwenden, nach Rechtfertigungen zu suchen, als das Geschehene zu akzeptieren, sich zu schämen und Lehren für die Zukunft daraus zu ziehen.Im Hause Diehl jedenfalls, dem inzwischen Karl Diehls Sohn Werner vorsteht, scheint man aus der eigenen Vergangenheit gelernt zu haben. Im Gegensatz zu manch anderem deutschen Konzern ist die Nürnberger Firma der "Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft" zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter beigetreten. Christian Keun, manager-magazin.de