Die reichsten Deutschen Walldorfs charismatischer Stratege
Hamburg - Oberwasser gewinnen - so nennt man das, was dem leidenschaftlichen Segler und SAP-Steuermann Hasso Plattner in den zurückliegenden Monaten eindrucksvoll gelungen ist. Ob im April auf der Kundenmesse "Sapphire" in Lissabon oder kürzlich bei Bekanntgabe der neuesten Geschäftszahlen in New York, der Vorsteher und strategische Kopf des weltweit drittgrößten Softwarekonzerns überbrachte stets "good news": Von viel versprechenden Allianzen mit IBM, Compaq und Palm, vom sprunghaften Nutzerzuwachs bei der hauseigenen Internetplattform mySAP.com, vom gegen den Branchentrend deutlich verbesserten Quartalsergebnis. Beifall allenthalben. Keine Rede mehr von der trägen SAP, die unter seiner Führung das Internetzeitalter gründlich verschlafen habe. Turn-around à la Plattner, der seiner imposanten Karriere damit einen weiteren Höhepunkt hinzufügt.
R-Systeme machen das Rennen
Die begann einst bei IBM Deutschland in Mannheim, wo der studierte Nachrichtentechniker 1968 seinen ersten Job fand. Für "Big Blue" entwickelte er Programme, wurde jedoch schon bald von der Vision umgetrieben, die kaufmännische Software von Großunternehmen zu vereinheitlichen. Zusammen mit den vier Kollegen Dietmar Hopp, Klaus Tschira, Hans-Werner Hector und Klaus Wellreuther gründete der gebürtige Berliner 1972 die Firma "Systemanalyse und Programmentwicklung", deren Erfolgsgeschichte im deutschen Softwarebusiness ohne Beispiel und längst Legende ist.
Mit ständig weiterentwickelter betriebswirtschaftlicher Standardsoftware - R/1 bis R/3 genannten Systemen - erobert SAP zuerst die Region, dann das europäische Ausland und setzt sich schließlich auch in den USA durch. Die Umsätze klettern von im Gründungsjahr 620.000 Mark innerhalb von zehn Jahren auf rund 24 Millionen Mark und überspringen 1993 erstmals die Milliardengrenze. Aus anfangs neun SAP-Mitarbeitern werden in dieser Zeit mehrere Tausend, ähnlich stark entwickelt sich die Zahl der Kunden. Parallel dazu wandelt sich das seinerzeit als Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründete Unternehmen in eine Aktiengesellschaft, die schließlich 1988 an die Börse gebracht wird. Hasso Plattner übernimmt im Vorstand den stellvertretenden Vorsitz und profiliert sich als Visionär mit feinem Gespür für neue Ideen und Trends.
Schwer zu ersetzender Charismatiker
Er gilt als derjenige, der zu Beginn der neunziger Jahre die Umstellung von der Großrechner-Technologie (R/2) auf Client/Server-Systeme (R/3) vorantreibt, die rasch zum Hauptumsatzträger der Walldorfer SAP avancieren. Insider halten den charismatischen Plattner zudem für das eigentliche "Aushängeschild" des Konzerns, noch ehe er 1997 neben Dietmar Hopp in das Amt eines gleichberechtigten Vorstandssprechers aufrückt. Wann immer es darum geht, die Leute für SAP einzunehmen, muss Plattner vor, heißt es. Selbst bereits verloren geglaubte Gespräche könne der zähe Kämpfer durch seine Überzeugungstärke noch herumreißen.
Wie lange sich der Vater zweier Töchter allerdings dem Kampf an der SAP-Spitze, die er sich seit Hopps Wechsel in den Aufsichtsrat im Februar 1998 mit Henning Kagermann teilt, noch stellen will, ist schon seit einiger Zeit eine viel diskutierte Frage. Derzeit steht Plattner auf dem Gipfel und es kann eigentlich nur wieder schlechter werden. SAP ist abermals auf guten Kurs gebracht und mit einem auf 8,4 Milliarden Mark taxierten Privatvermögen könnte sich der inzwischen 57-Jährige in einen Ruhestand voller Annehmlichkeiten - wie etwa die von ihm hoch geschätzten Ferraris - verabschieden oder auch einfach nur öfter zur Gitarre greifen. Jedoch ist ein ihm ebenbürtiger Nachfolger nicht in Sicht. Das weiß auch "Mr. SAP".
Christian Keun, manager-magazin.de