Die reichsten Deutschen: Wie der Sozialist Milliardär wurde - DER SPIEGEL
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Die reichsten Deutschen Wie der Sozialist Milliardär wurde

Vom "Advokaten der Genossen" zum milliardenschweren "WAZ"-Mann - die Laufbahn des Erich Schumann verlief ebenso wechselvoll wie erfolgreich.
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Als der Sozialdemokrat Erich Brost und der Erzkonservative Jakob Funke 1948 die Lizenz für ihre "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" ergatterten, vollendete Erich Schumann soeben das 18. Lebensjahr. Sein Weg an die "WAZ"-Spitze war zu diesem Zeitpunkt keineswegs vorgezeichnet: Weder gehörte er von Geburt einer der Gründerfamilien an, noch besaß Schumann eine Vorliebe für das Verlagsgeschäft.Aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammend - der Vater ein einfacher Kaufmann - entschied sich der junge Mann für die Juristerei mit Schwerpunkt Steuern. Nachdem er beide Staatsprüfungen erfolgreich abgelegt hatte, stieg der erst 30-Jährige zum Seniorchef einer Bonner Sozietät für Wirtschaftsrecht auf. Und über lange Zeit sollte sich die Bundeshauptstadt für den gebürtigen Nürnberger als "gutes Pflaster" erweisen.Früh war Schumann, der in jungen Jahren "Sympathien für Teile der kommunistischen Theorie" hegte, der SPD beigetreten. In der Partei startete der smarte Advokat seine erste Karriere. Er vertrat die Genossen vor Gericht oder Untersuchungsausschüssen und stand sowohl Wehner als auch Brandt mit Rat und Tat zur Seite. Als Syndikus der Sozialdemokraten erwarb sich Schumann hohes Ansehen. Die entscheidende Wende aber erfuhr sein Leben, als "WAZ"-Patriarch Brost sich 75-jährig entschloss, in den Ruhestand zu treten. Seit Ende der siebziger Jahre hatte Brost senior versucht, seinen leiblichen Sohn Martin als Nachfolger aufzubauen - mit eher mäßigem Erfolg. Zwar mühte sich der Filius tapfer, ein veritabler Verleger zu werden. Etwa, indem er bei Zeitungshäusern in Kassel und München volontierte und bei einem Wirtschaftsprüfer die Grundlagen des Geschäfts paukte. Den Ansprüchen des Vaters konnte der studierte Philosoph, der sich vorübergehend als Ökogärtner verdingte und für fernöstliche Religionen begeisterte, indessen nie genügen.Auf Drängen des Alten musste der Junior Erich Schumann an Bord holen. Bei dem witterte Erich Brost nicht nur den richtigen "Stallgeruch". Ihm traute er zu, die ständigen Auseinandersetzungen mit dem Funke-Clan, genauer gesagt mit deren Statthalter Günther Grotkamp, durchzustehen und sein "publizistisches Erbe" nach außen hin angemessen zu vertreten.1978 rückte Schumann in die Chefetage des Konzerns ein. Martin Brost gab sich geschlagen und sein Erbteil - den Fünfzig-Prozent-Anteil am Unternehmen - zurück. Er wolle "Frieden mit dem Vater schließen", begründete der Verschmähte seinen Rückzug. Eine Abfindung in Höhe von mehreren hundert Millionen Mark soll ihm diese Entscheidung erleichtert haben.Ein paar Jahre später stimmte Martin Brost einem weiteren Entschluss des Vaters zu, den andere an seiner Stelle vermutlich als indiskutablen Affront aufgefasst hätten. 1985 adoptierte der alte Brost den "Wunschsohn" Erich Schumann - um den möglichst steuersparenden Erhalt seines Lebenswerks zu sichern. Seines "Erbes" erwies sich Schumann allemal als würdig. Rasch war Genosse Erich im "Kapitalismus auf die Überholspur" gegangen. Gemeinsam mit Grotkamp, dem er anfangs in inniger Abneigung verbunden war, ließ er keine Chance aus, die WAZ-Gruppe größer und profitabler zu machen. Die über 12.000 Mitarbeiter des von ihm mitgeformten Zeitungstrusts erlösten zuletzt rund vier Milliarden Mark Umsatz.Schumann und Familie nennen inzwischen ein Vermögen von 5,5 Milliarden Mark ihr Eigen. Im WAZ-Imperium hat Erich Schumann mindestens so gekonnt agiert wie einst Gründerchef Brost. Und auch in Sachen Nachfolgeregelung steht er seinem Mentor nicht nach: Jetzt bereits selbst im ruhestandsfälligen Alter, hat auch er es nicht geschafft, rechtzeitig einen "Kronprinzen" aufzubauen. Christian Keun, manager-magazin.de