Die Stromkonzerne
verteidigen ihre Monopolstellung mit allen Mitteln. Fast alle früher streng regulierten Märkte - etwa Telekommunikation und Luftverkehr - sind liberalisiert. Nur bei der Energie ist Wettbewerb noch immer nahezu ausgeschlossen. Verbraucher und Industrie zahlen dafür mit erheblich höheren Tarifen als im Ausland (siehe Grafik). Selbst beim Kraftwerksbau herrscht eine geschlossene Gesellschaft. Nur die Hoflieferanten haben eine Chance. Zum erstenmal versucht jetzt ein mächtiger Außenseiter, das System aufzubrechen. Der amerikanische Konzern General Electric (60 Milliarden Dollar Umsatz, 220 000 Beschäftigte) will vor deutschen Gerichten den Auftrag für eine Turbinenanlage einklagen. General Electric hatte sich 1993 an einer Ausschreibung des ostdeutschen Strom-Verbunds Veag für das Braunkohlekraftwerk Lippendorf bei Leipzig beteiligt. Den Auftrag für die Turbinen im Wert von 400 Millionen Mark bekam der schwedisch-schweizerische Konzern ABB. Das Angebot der Amerikaner sei wirtschaftlich und technisch schlechter gewesen, argumentierte die Veag, und beteiligte General Electric nicht einmal mehr an der Schlußrunde. Der US-Konzern sah dadurch unter anderem eine Richtlinie der Europäischen Union für freien Marktzutritt verletzt und klagte auf Wiedereröffnung der Ausschreibung. Das Berliner Kammergericht erkannte in einem Eilverfahren kein Rechtsschutzbedürfnis der Amerikaner und lehnte die Klage im April ab. Nun macht General Electric politischen Druck. Jeffrey Garten, Staatssekretär im US-Handelsministerium, protestierte diese Woche in Bonn gegen angeblich unfaire Behandlung von US-Lieferanten. Gegen die Strom-Monopolisten kämpft auch Karl Gustaf Ratjen, 75. Der pensionierte Manager ist Mitglied im europäischen Beirat von General Electric und gehörte früher als vielfacher Aufsichtsrat selbst zum industriellen Establishment der Bundesrepublik. Ratjen war bis 1984 Vorstandsvorsitzender der Metallgesellschaft und bis 1987 Aufsichtsratschef von Volkswagen.