Discount-Dynastien Lidl entzweit sich mit Schlecker
Neckarsulm - Wie Lidl heute mitteilte, sitzt Schlecker, Eigner der gleichnamigen Drogeriekette, bald nicht mehr im Kontrollgremium des Discounters. Weil der Handelskonzern mittlerweile auch Drogerieprodukte verkaufe, seien beide Unternehmen Konkurrenten, erklärte Lidl. "Unter diesen Umständen ist es nicht möglich, dass Anton Schlecker weiter Mitglied im Aufsichtsrat bei Lidl ist." Und so hätten sich beide Seiten darauf verständigt, Schleckers Mandat zum Ende des laufenden Geschäftsjahres am 28. Februar 2006 auslaufen zu lassen.
Der Abgang ist wohl das vorläufige Ende der Kooperation zwischen zwei der berüchtigtsten Billigheimer im deutschen Handel. Der Discounter Lidl und der Drogeriemarkt Schlecker gehörten mit ihren Niedrigpreisen zu den großen Profiteuren der Geiz-ist-geil-Welle der vergangenen Jahre. Zudem haben beide Unternehmen einen schlechten Ruf bei Arbeitnehmervertretern. Berichte über miese Arbeitsbedingungen bei Lidl füllten ein komplettes Buch, das die Gewerkschaft Ver.di Ende vergangenen Jahres veröffentlichte.
Dabei jagten beide Ketten lange Zeit in unterschiedlichen Revieren. Lidl punktete im Lebensmitteleinzelhandel, während Schlecker mit Shampoos und Zahnpasta sein Geld macht. Auch privat verstanden sich die Konzerneigner Dieter Schwarz und Anton Schlecker. Laut Presseberichten haben sich die beiden geduzt. Schlecker soll Schwarz sogar als Finanzier bei der Expansion geholfen haben.
Das Zerwürfnis hat sich angekündigt. Im Februar überraschte Lidl mit der Ankündigung, sein Sortiment mit Drogerieprodukten auffüllen zu wollen. Bislang hatten diese Artikel in den Regalen des Discounters ein Nischendasein geführt. Doch nun verkaufte die Kette plötzlich Windeln und Babynahrung. Ein heftiger Preiskrieg in der Branche war die Folge, in den mittlerweile auch die Drogeriemärkte dm und Rossmann eingestiegen sind.
Schlecker dagegen hielt sich bei der wilden Rabattschlacht zurück - mit Folgen für das Geschäft. Zwar wollte sich der Konzern Anfang Dezember nicht zu Umsatzzahlen für das noch laufende Jahr äußern. Marktforscher erwarten jedoch, dass vor allem die Verkäufe von klassischen Drogeriewaren gelitten haben - eine direkte Folge der Attacke durch Lidl.