Discount-Fusion Großangriff auf Aldi und Lidl
Hamburg - Im umsatzstarken Discount-Sektor verschieben sich die Kräfteverhältnisse. Tengelmann und Edeka fusionieren ihre Billigketten Plus und Netto. Damit entsteht der drittgrößte Discounter der Republik mit elf Milliarden Euro Umsatz - hinter Aldi (22 Milliarden Euro Umsatz) und Lidl (13 Milliarden Euro).
Der Abstand auf den Branchenzweiten verringert sich für Edeka und Tengelmann damit schlagartig. Hintergrund der Fusion: Der Handel kämpft in Deutschland mit niedrigen Margen und einem hohen Wettbewerbsdruck. Der Zusammenschluss jetzt soll Edeka und Tengelmann konkurrenzfähiger machen und helfen, die Probleme in den Griff zu bekommen.
Bisher waren Edeka und Tengelmann im Discount-Segment eine deutlich kleinere Nummer als Lidl und Aldi: Edekas Billiganbieter wie Netto oder Kondi kamen 2006 zusammen gerade auf einen Umsatz von 5 Milliarden Euro. Jetzt stoßen "wir in die Spitzengruppe im deutschen Discount-Markt vor", sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub. Die Partnerschaft mit Edeka sei sinnvoll, weil sich die Konzepte und die Filialnetze von Plus und Netto ideal ergänzten. Bei dem Zusammenschluss handele es sich um eine langfristige Partnerschaft.
Edeka-Chef Alfons Frenk verspricht sich von dem neuen Gemeinschaftsunternehmen kräftiges Wachstum. "Die Expansionspläne sehen die Eröffnung von mehr als 300 Märkten pro Jahr vor", sagte er. Unterm Strich werde es zu keinem Personalabbau kommen. Beide Unternehmen beschäftigen derzeit zusammen mehr als 51.000 Mitarbeiter.
Edeka-Vorstandsmitglied Markus Mosa sagte, die Konkurrenz durch Aldi oder Lidl fürchte man nicht: "Wir fühlen uns sehr wohl, wenn neben uns ein Aldi plaziert wird." Jährlich sollen 300 neue Märkte zu dem gemeinsamen Netz von derzeit 4100 Geschäften dazukommen. Dabei soll der Name Plus lediglich in 800 zumeist kleineren Läden erhalten bleiben, die nicht auf das neue Konzept umgestellt werden können. Hauptsächlich sollen die Läden der neuen Discount-Kette "Netto Marken-Discount" heißen.
"Kinderjeans wird es bei uns nicht geben"
In den Läden soll es besonders viele frische Waren geben, um sich von billigeren Anbietern abzuheben, und neben billigen No-Name-Artikeln auch eine breite Palette von Markenartikeln. Weitgehend verzichten will Netto auf Aktionsartikel: "Kinderjeans wird es bei uns nicht geben", sagte Mosa.
Im neuen Gemeinschaftsunternehmen soll Edeka 70 Prozent halten und damit den Ton angeben. Tengelmann zieht sich auf eine Minderheitsposition zurück. Filialschließungen seien nicht geplant. Edeka ist mit Netto erst vor zwei Jahren in das Discount-Geschäft eingestiegen, hatte aber einen Ausbau angekündigt - während Tengelmann über Verluste bei Plus klagte.
Edeka und Tengelmann vereinbarten nach eigenen Angaben außerdem eine enge Kooperation beim Einkauf für die Kaiser's- und Tengelmann-Supermärkte. Tengelmann-Chef Haub kündigte zudem an, mit Obi verstärkt in Russland und die Ukraine expandieren zu wollen. Auch ein Ausbau des Textildiscounters Kik sei geplant.
Edeka-Konkurrent Rewe gibt sich angesichts der Discount-Fusion gelassen. Der Handelsriese hatte zwar um die Tengelmann-Tochter Plus mitgeboten - doch Konzernchef Alain Caparros sagte, es werde sich um einen "riesigen Kraftakt'" handen, das Geschäft rentabel zu machen. "Integration, Sanierung und die mögliche Schließung hunderter Standorte werden immense Kosten verursachen", sagte Caparros. "Das haben wir bei unserem Kaufpreisangebot mit berücksichtigt." Rewe werde auch ohne Plus weiter wachsen. Allein in Deutschland werde man 2008 bis zu 360 Standorte eröffnen, davon die Hälfte Penny-Märkte. Das Unternehmen stehe mit dem Inlands- und Auslandsgeschäft auf zwei starken Beinen - im Gegensatz zum Konkurrenten Edeka, der sich allein auf Deutschland konzentriere. Caparros kämpferisch: "Abgerechnet wird erst nach Ladenschluss."