Discounter-Kampf: Lidl hängt Aldi beim Werbeetat ab - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Discounter-Kampf Lidl hängt Aldi beim Werbeetat ab

Im Kampf der Discounter hat Lidl bei den Werbeausgaben einen rund ein Drittel höheren Etat als Erzrivale Aldi. Der blaue Riese kontert: Demnächst soll es keine Aldi-Werbeblättchen mehr geben, der Konzern sattelt auf Hochglanzkataloge um.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - 18,2 Milliarden Euro an Bruttowerbeausgaben weist die neue Statistik von Nielsen Media Research für den deutschen Markt im Jahr 2004 aus. Ganz oben auf der Liste der Konzerne mit den höchsten Ausgaben für Reklame finden sich die Lebensmitteldiscounter Aldi und Lidl.

Lidl erhöhte den Werbeetat auf 334 Millionen Euro, Aldi dagegen weist nur 245 Millionen Euro aus, berichtet die "Lebensmittel-Zeitung" (LZ). Dabei liefern sich die Erzrivalen weiter eine erbitterte Werbeschlacht um die Kunden.

In dieser Woche hat der Aldi-Süd-Konzern, den Karl Albrecht leitet, das Ende der Handzettel mit aktuellen Angeboten eingeläutet. Dort präsentiert der Discounter jetzt in Katalogform auf 20 Hochglanzseiten Themenwelten - ähnlich edel in der Anmutung, wie ein Tchibo-Magazin, dass die Hamburger Kaffee- und Hausbedarfskette seit Jahren anbietet. Bei Aldi Nord, geführt von Karls Bruder Theo Albrecht, werden dagegen zunächst weiterhin die Handzettel in den Märkten ausgelegt und verteilt.

Laut "LZ" gibt es sowohl bei Aldi als auch beim Lidl-Konzern, der in den vergangenen Monaten bereits regional Hörfunk-Spots ausstrahlte, Überlegungen, mittelfristig auch in den Fernseh-Werbemarkt einzusteigen. Hier nutzt unter den Lebensmitteldiscountern bisher lediglich Plus das Medium. "Wer verkaufen will, muss emotionalisierte Bedürfnisse wecken", begründete Plus-Einkaufschef Alfred Glander in der "LZ" den Schritt.

Media Markt und Saturn mit dem größten Etat

Bundesweit an der Spitze bei den Werbeausgaben liegen laut Nielsen Technik-Märkte wie Saturn oder Media Markt. Neu auf Platz neun unter Deutschlands werbeaktivsten Unternehmen (Auswahl Handel und Ernährungswirtschaft) findet sich in der Nielsen-Statistik die Rewe-Tochter Penny - der Etat wurde im Vergleich zum Vorjahr um 39 Prozent auf 64 Millionen Euro aufgestockt.

Die Platzierungen:

  • Platz 1 - Die Media-Markt-Saturn-Gruppe mit Werbeausgaben von 349 Millionen Euro in 2004, das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von 40 Prozent. Media Markt kommt auf 219 Millionen Euro - ein Plus von 33,5 Prozent. Saturn kommt auf 130 Millionen Euro, plus 55,7 Prozent


  • Platz 2 - Procter & Gamble  : 344 Millionen Euro, plus 33,5 Prozent


  • Platz 3 - Lidl: 334 Millionen Euro, plus 24 Prozent


  • Platz 4 - Aldi Nord und Süd: 245 Millionen Euro, plus 30,5 Prozent


  • Platz 5 - Ferrero: 232 Millionen Euro, minus 0,7 Prozent


  • Platz 6 - L'Oreal: 214 Millionen Euro, minus 4,1 Prozent


  • Platz 7 - C&A: 159 Millionen, plus 5,6 Prozent


  • Platz 8 - Unilever Bestfoods  : 180 Millionen / plus 3,8 Prozent
Vermehrt setzten auch Markenartikler auf die von den Ketten-Märkten seit langem praktizierte Angebotswerbung - zu Lasten reiner Image-Kampagnen. Laut Nielsen wurde beispielsweise im Automarkt die Imagewerbung der Hersteller um 30 Prozent zugunsten der Werbung für neue PKW-Modelle reduziert.

Die Telekommunikationskonzerne senkten die Ausgaben in diesem Bereich sogar um die Hälfte, erhöhten die Ausgaben für Telefon- und Internet-Tarife aber deutlich. Als aktuelles Beispiel für den Trend, kurzfristig Aufmerksamkeit zu erzeugen, wird die Deutsche Bahn genannt. Die reinen Markenkampagnen wurden gestoppt, dafür wird mit Preis-Angeboten für bestimmte Strecken geworben.