Discounter Ver.di will Lidl-Bilanzen offen legen
Neckarsulm/Berlin/Hamburg - Ver.di hat laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" einen Rechtsanwalt engagiert, der bei deutschen Registergerichten die entsprechenden Unterlagen prüfen soll. Ein Ergebnis soll bis Mitte 2005 vorliegen. Ver.di bestätigte das Vorhaben. Ein Sprecher von Lidl sagte, dazu gebe das Unternehmen keine Erklärung ab.
Mit der Attacke will Ver.di die Arbeitnehmerrechte stärken. "Die Arbeitsbedingungen bei Lidl schreien zum Himmel", sagte Ulrich Dalibor, Ver.di-Fachgruppenleiter für den Einzelhandel. Die Gewerkschaft wirft Firmengründer Dieter Schwarz vor, mit einer überaus verschachtelten Unternehmensstruktur die Rechte der Mitarbeiter zu beeinträchtigen. Vor Gericht will Ver.di nun nachweisen, dass Lidl eine reguläre Konzernstruktur besitzt. Diese würde es der Belegschaft erlauben, von ihrem Recht auf unternehmerische Mitbestimmung Gebrauch zu machen.
Parallel versucht die Gewerkschaft, in den Filialen Betriebsräte zu etablieren. Dies ist nach Ver.di-Angaben schwierig, weil das Management erheblichen Widerstand leistet.
Lidl ist hinter Aldi die Nummer zwei unter den deutschen Discountern. Nach einer Untersuchung von Trade Dimensions/M+M Eurodata und der "Lebensmittel-Zeitung" erzielte die Kette 2003 einen geschätzten Gesamtumsatz von 17,3 Milliarden Euro. In etwa 2500 Filialen arbeiten nach Gewerkschaftsangaben zwischen 20.000 und 25.000 Beschäftigte. Genaue Kennzahlen hält das Unternehmen hartnäckig unter Verschluss. Im Zuge einer gerichtlich angeordneten Veröffentlichung könnten diese quasi als Nebenprodukt publik werden.
Bereits im vergangenen April hat Ver.di vor Gericht in einem ähnlichen Verfahren gegen die Deutschland-Tochter des Einzelhandelskonzerns Wal-Mart gewonnen. Die Gewerkschaft hatte die Publikation der Jahresabschlüsse 1999 und 2000 beantragt, um auf diese Weise das Wal-Mart-Management dazu zu bringen, einen Anerkennungstarifvertrag zu unterzeichnen.
Die Gewerkschaft kritisiert seit längerem die Arbeitsbedingungen bei den Discountern in Deutschland. In diesem Jahr gab es bei Aldi, Lidl und der Drogeriemarktkette Schlecker Protestaktionen.