Diskretion erbeten - DER SPIEGEL
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HANDEL Diskretion erbeten

Der Co-op-Konzern trennt sich von seinen Möbelhäusern; sie waren nach jahrelangem Mismanagement unrentabel geworden.
• aus DER SPIEGEL 50/1979
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Anfang dieses Jahres versprach der

Co-op-Konzern »dynamischen und erfahrenen Möbelprofis die Chance zu einer steilen Karriere« in den rund zwei Dutzend Einrichtungshäusem der gewerkschaftseigenen Handelsgruppe. Die Bewerber, tönte Co op? hätten »die Möglichkeit, an der permanenten Expansion persönlich zu partizipieren«.

Wohl dem, der die Karriere-Chance bei Co op ausschlug: Seit die Personalanzeige mit den wohlklingenden Versprechungen erschienen ist, hat sich die Zahl der Co-op-Möbelhäuser drastisch verringert. Und am 31. März 1980 schließt die Domus-Einrichtungshäuser GmbH, die hundertprozentige Möbel-Tochter des Co-op-Konzerns, den letzten Laden.

Der Ausverkauf im Wohnbereich des Einzelhandels-Riesen, der bis 1969 noch als Konsum firmierte, begann Anfang Juli. In einem vertraulichen Schreiben ("Wir bitten um absolute Diskretion") bot Domus-Geschäftsführer Olaf Koenig die »von uns betriebenen Möbelhäuser und Lager« zum Verkauf an.

»Besichtigungen«, schränkte Koenig allerdings ein, »können nur anonym vorgenommen werden, da die Überlegungen des Konzerns den Mitarbeitern bisher nicht bekannt sind.«

Der Brief kostete den agilen Geschäftsführer den Job. Als nämlich der Domus-Betriebsrat davon erfuhr und sich über den strammen Kapitalistenstil empörte, mochten die Frankfurter Co-op-Bosse Koenigs Methoden nicht mehr decken: Ihr oberster Möbelhändler mußte gehen.

Dem Konzern brachte Koenigs Rundschreiben dennoch den gewünschten Erfolg, ein potenter Käufer stellte sich ein. Gerhard Tacke, Chef der 1957 gegründeten Kette Möbelparadies Takke GmbH, übernahm zehn Domus-Läden mit gut 42000 Quadratmeter Verkaufsfläche und rund 270 Beschäftigten.

Drei weitere Läden in Berlin, Bielefeld und Salzgitter fanden ebenfalls Käufer. In Kiel und Osnabrück erklärten sich regionale Co-op-Gesellschaften, die nicht zum Konzern gehören, bereit, die Einrichtungshäuser in eigener Regie weiterzuführen. Über zwei Filialen wird noch verhandelt. Die restlichen sieben Domus-Häuser wie auch die Zentralverwaltung in Hamburg werden dichtgemacht.

Insgesamt mehr als hundert, zum Teil altgediente Konsum-Mitarbeiter erhielten ihre Kündigung, getröstet durch einen kümmerlichen Sozialplan.

Mit dem Aus für die Möbelhäuser fügten sich die Co-op-Manager nach jahrelangem Zögern den Zwängen des Markts. Schließlich bilanzierten die Co-op-Möbelhändler schon mit Verlust, als die Muttergesellschaft noch als Konsum firmierte.

Allein im vergangenen Jahr erwirtschaftete Domus bei einem Gesamtumsatz von 114 Millionen Mark ein Minus von rund zwölf Millionen Mark. Und im laufenden Jahr müssen, so Co-op-Sprecher Peter Nebel, »von jeder Mark Umsatz zehn Pfennig als Verlust verbucht werden

Die Gründe für den Mißerfolg sehen Branchenkenner unter anderem in den horrend hohen Ladenmieten: Über acht Prozent des Umsatzes -- fast zehn Millionen Mark -- gingen bei der Co-op-Tochter für die Shops in guten City-Lagen drauf; branchenüblich sind 4,5 Prozent.

Auch die »in hohem Maß von Kaffeesatzleserei bestimmte Personalpolitik« sieht der Branchendienst »inside« als eine wichtige Ursache für den Möbelflop bei Co op an. Allein seit Anfang der siebziger Jahre wechselten sich vier Manager an der Spitze der Domus-Kette ab.

Der ständige Wechsel von meist branchenfremden Geschäftsführern ermöglichte vielen Filialleitern, ihre eigene Politik zu betreiben. Und das hieß: Anders als bei Möbelketten wie Ikea oder Möbel-Franz bestimmte nicht allein die Zentrale, was in den Läden angeboten wurde. Manche Filialleiter kauften sich ihr eigenes Sortiment zusammen; und das kostete dann meist mehr als ein zentraler Einkauf.

Der Ausstieg aus dem Möbelgeschäft dürfte den Gewerkschafts-Händlern von Co op erstmals seit der Umstrukturierung des Konzerns vor fünf Jahren wieder dazu verhelfen, die Bilanz einigermaßen ins Lot zu bringen. 1978 wies die Konzernbilanz noch ein Minus von 10,2 Millionen Mark aus.

Doch während sich Co-op-Chef Bernd Otto freut, daß die »letzte Verlustquelle nun endlich versiegt«, fühlen sich die »freigestellten Mitarbeiter« (Co-op-Sprecher Nebel) von ihren Oberen im Stich gelassen: Das Gewerkschaftsunternehmen, so die Klage, habe sich nicht genügend um neue Arbeitsplätze für die Entlassenen bemüht.

»Als es um die Kündigung ging«, klagt eine seit 25 Jahren in der Domus-Zentrale tätige Buchhalterin, »waren die genauso knallhart wie jeder private Unternehmer.«

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