Diskussion auf ISC-Symposium Soziales contra Rendite
Sankt Gallen - Die erste Frage richtete sich an Renault-Chef Moulonguet. Ob denn nicht die strengen Vorschriften der Regierung die Automobilindustrie erst gezwungen hätten, Fortschritte beim Umweltschutz zu machen, wollte ein Teilnehmer wissen. "Natürlich", gab Moulonguet zur Antwort. "Aber übertriebene Regulierungen diene dem grundsätzlich wünschenswerten Anliegen nicht unbedingt".
Ein weiterer Teilnehmer meldete sich zu Wort: Ob die Anleger nicht ein Recht darauf hätten, dass Unternehmen ihr Kapital vermehrten, wollte er von Kai-Uwe Ricke wissen und brachte damit in den Augen des Telekom-Chefs das Problem auf den Punkt. Die Antwort sei einfach, sagte Ricke - und sie klinge grausam: "Am Ende des Tages fragen die Anleger nach ihrer Rendite - und die lässt sich recht einfach in Zahlen ausdrücken".
Die Wortbeiträge in der Diskussionsrunde auf dem ISC-Symposium unterstrichen, in welchem Spannungsfeld sich die Unternehmen inzwischen bewegen. Rendite, das zeigt nicht nur die Kapitalismus-Debatte in Deutschland, lässt sich immer weniger ohne Rücksicht auf einen anderen Faktor erzielen, der auf den ersten Blick wenig mit der Kernaufgabe des jeweiligen Unternehmens zu tun hat - nämlich sozialem Engagement.
Nicht nur Regierungen und Anleger stellten legitime Anforderungen an Unternehmen hatte Moulonguet gleich zu Beginn der Diskussion erläutert. Die Schaffung von Arbeitsplätzen, eine nachhaltige Entwicklung und die Beachtung sozialer Standards zählten ebenso dazu, wie eine moderne Produktpalette, die die Ansprüche der Verbraucher erfülle. Die Sache werde durch den sich ständig verschärfenden Wettbewerb in globalisierten Märkten nicht eben leichter.
Ricke äußerte Verständnis für diejenigen, die fürchteten, zu Verlierern der fortschreitenden Globalisierung zu werden und von dieser Seite aus Ansprüche an die Unternehmen stellten. Er warb dafür, die Chancen der Entwicklung in den Mittelpunkt zu stellen. So seien die Heimatmärkte vieler Unternehmen bereits gesättigt und böten wenig Aussicht für weiteres Wachstum. Die Expansion in neue Märkte halte dagegen noch viel Potenzial bereit. Um im internationalen Wettbewerb erfolgreich zu sein, sei aber auch eine verstärkte Bereitschaft notwendig, Veränderungen zuzulassen.
Keine leichte Aufgabe angesichts des rasant schwindenden Vertrauens, das die Bürger Politikern und Managern entgegenbringen. Hier sei noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten und neues Vertrauen aufzubauen, mahnte Ricke an. Mit Blick auf die Kapitalismusdebatte riet Ricke jedoch zur Mäßigung. Es seien nicht ursächlich die Unternehmen gewesen, die die Globalisierung vorangetrieben hätten.
Moulonguet wies noch einmal drauf hin, dass ein Unternehmen kaum Chancen auf nachhaltigen Erfolg habe, wenn es sich den Anforderungen der Gesellschaft verschließe. Gleichwohl falle auch dies unter das Kapitel Wettbewerb - denn am Ende gehe es um die relative Anerkennung - eben darum, welcher der Konkurrenten am besten abschneide.
Der Spagat ist also unvermeidlich. Denn auch auf dem Kapitalmarkt verschärfe sich der Wettbewerb, sagte Moulonguet. Investoren konzentrierten sich immer offensiver auf jene Unternehmen, die die beste Rendite versprächen.
Dennoch glaubt der Renault-Finanzvorstand, den widerstreitenden Ansprüchen gerecht werden zu können: Auch unter Berücksichtigung der sozialen Faktoren bleibe es heiligste Pflicht des Managements, die Arbeitsabläufe möglichst wirtschaftlich zu gestalten.