DIW: Aufschwung, aber kein Boom - DER SPIEGEL
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DIW Aufschwung, aber kein Boom

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gilt gemeinhin immer noch als arbeitnehmerfreundlich. Doch die aktuellen Einschätzungen zur Wirtschaftslage werden die Berliner Wirtschaftsforscher viele Gewerkschafter gegen sich aufbringen.
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Berlin - Der DIW-Konjunkturexperte Gustav-Adolf Horn empfahl Lohnabschlüsse von drei Prozent bei den anstehenden Lohnrunden. Die IG Metall will mit Gehaltsforderungen von mindestens vier Prozent in die Tarifverhandlungen gehen.

Horn sagte, im Vordergrund stehe, sprunghafte Veränderungen der Lohnentwicklung zu vermeiden. Hierzu seien Tarifverträge mit einer "relativ langen Laufzeit" nötig, was auch die Arbeitgeber verlangen. Horn forderte, diese Frage im Bündnis für Arbeit zu lösen.

Der Konjunkturexperte sprach sich in diesem Zusammenhang gegen die Rente mit 60 aus. Sie habe keinerlei Wirkung auf die Beschäftigung. Horn appellierte an die Tarifpartner, das Bündnis für Arbeit nicht mit der Rentenfrage zu belasteten.

Als "mutig" bezeichnete das DIW die geplante Steuerreform der Bundesregierung. Damit werde die Binnennachfrage erheblich gestärkt und ein Aufschwung über Jahre hinweg ermöglicht.

Die konjunkturelle Schwäche sei überwunden, frohlockten die Forscher. Das erwartete Wachstum des Bruttoinlandprodukts um 2,4 Prozent sei ein moderater Aufschwung - von einem Boom könne man aber nicht sprechen. Hauptantrieb für den Anstieg sei der Export. Von den stark steigenden Ausfuhren vor allem in die USA und nach Südostasien würden im Wesentlichen die alten Bundesländer profitieren. Für Ostdeutschland wird ein schwächeres Wachstum vorausgesagt. Ursache für den fehlenden Aufholprozess im Osten sei die rückläufige Entwicklung im Bausektor und der chronische Geldmangel der Gemeinden, denen die Mittel fehlten, umfassend zu investieren.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland wird nach der vorgelegten Prognose 2000 um rund 200.000 auf 3,9 Millionen sinken. Dies gehe aber in erster Linie auf die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur zurück und nicht auf den "moderaten Aufschwung".