DocMorris AOK und Verbraucherschützer befürworten Versandapotheken
Bonn/Karlsruhe - Er habe keinerlei Bedenken, wenn einem fremden Händler erstmals der Betrieb einer deutschen Apotheke erlaubt werde, sagte der Abteilungsleiter für Arzei- und Heilmittel beim AOK Bundesverband, Norbert Schleert. Qualitätseinbußen für die Patienten seien dadurch nicht zu befürchten. Auch Verbraucherschützer sehen mehr Vorteile als Nachteile für die Kunden von Versandapotheken in Deutschland.
Der Streit um Versandhändler wie die niederländischen Online-Apotheke DocMorris ist damit neu entbrannt. Der saarländische Gesundheitsminister Josef Hecken (CDU) hatte es DocMorris erlaubt, in Saarbrücken die erste Filiale im Bundesgebiet zu eröffnen. Er beruft sich dabei auf das europäische Gebot des freien Binnenmarkts. Seine Entscheidung widerspricht jedoch deutschem Recht, wonach allein ein zugelassener Apotheker eine Apotheke betreiben kann. Die Apothekerverbände haben gegen die Entscheidung Heckens geklagt. Sie forderten den Minister heute erneut auf, die Erlaubnis für DocMorris zurückzuziehen. Morgen soll das Landgericht Saarbrücken eine Entscheidung fällen.
Die vom saarländischen Gesundheitsminister erteilte Betriebserlaubnis gefährde das Prinzip der freiberuflichen und mittelständischen Apotheke, warnte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Heinz-Günter Wolf. Die Zulassung müsse zurückgenommen werden, da Hecken den Willen des Bundesgesetzgebers missachtet habe. "Mit seiner Entscheidung stellt sich ein Landesminister bewusst gegen deutsches Recht, das es nur approbierten Apothekern erlaubt, eine Apotheke zu betreiben", erklärte Wolff.
AOK-Abteilungsleiter Schleert argumentiert hingegen, dass es in den USA viele Apotheken gebe, die großen Supermarktketten angeschlossen seien. "In Amerika gibt es keinen Qualitätsverlust." Den Widerstand der Apotheker gegen fremde Betreiber nannte er "Standesdünkel". Durch mehr Wettbewerb könnten die Kosten im Gesundheitssystem eindeutig sinken. Der saarländische Gesundheitsminister Hecken hält Einsparungen in Milliardenhöhe für möglich.
Auch die Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Julia Nill, sieht inzwischen bei Medikamentenhändlern im Internet keine gravierenden Qualitätsunterschiede mehr zu herkömmlichen Apotheken. Besonders sinnvoll sei die Bestellung jedoch nur für bestimmte Patienten: "Wenn man genau weiß, was man möchte, oder wenn man ständig bestimmte Medikamente braucht, kann man beim Versandhändler kaufen, weil man dann deutlich spart", sagte sie.
tim/AFP/Reuters