DocMorris-Chef Däinghaus "Jede Woche eine neue Filiale"
SPIEGEL ONLINE: Herr Däinghaus, heute eröffnet im saarländischen St. Wendel die erste DocMorris-Markenpartner Apotheke. Sind sie dem Traum von einer Apothekenkette in Deutschland näher gekommen?
Däinghaus: Eindeutig. Wir haben eine Methode gefunden, mit der wir den Kunden entgegen kommen können. Wir sind im Versandhandel stark und im Internet aktiv - nun auch mit eigenen Filialen. In St. Wendel geht es heute ganz schön hoch her. Die Apotheke von Antoinette Angel birst vor Kunden.
SPIEGEL ONLINE: Ist das die neue Strategie im Wettstreit mit den etablierten Apothekern? Ihrem Bestreben, selbst eine Filiale im Saarland aufzumachen, hat ein Gericht erstmal einen Riegel vorgeschoben.
Däinghaus: Wir wollen nach wie vor eine eigene Apotheke in Saarbrücken eröffnen, damit wir dort unseren Versandhandel über die Apotheke vertreiben können. Nun erweiten wir aber unsere Strategie. Wir wollen sichtbarer sein, Kunden sollen in DocMorris-Filialen kaufen können.
SPIEGEL ONLINE: Wie soll das neue Modell funktionieren? Der Apotheker bleibt Inhaber und malt lediglich ihr Logo an die Tür?
Däinghaus: Die Apothekerin hier, Frau Angel, ist Besitzerin der Luisenapotheke, und die heißt seit heute Morgen DocMorris-Apotheke: An den Besitzständen hat sich nichts geändert. Frau Angel hat eine Lizenz- und Kooperationsvereinbarung mit uns geschlossen und darf unser Logo benutzen. Das schlägt ein wie eine Bombe.
SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie andere Apotheker ködern? Sie wollen innerhalb von drei bis fünf Jahren 500 neue Filialen eröffnen.
Däinghaus: 40 Prozent der Deutschen kennen DocMorris. Wir sind bekannt als günstige Apotheke. Das reizt Apotheker, sie interessieren sich für eine günstige Marke. Apothekenpreise sind in der Regel Monopolpreise. Und Monopole führen zu gesättigten Margen. Das wollen wir angreifen und verzichten auf Marge und holen uns dies über einen höheren Umsatz wieder rein.
SPIEGEL ONLINE: Die Apothekerverbände geben sich bisher wenig ängstlich. Zudem heißt es, dass Sie es schwer haben werden, in attraktiven Stadtlagen neue Partner zu finden.
Däinghaus: Wir haben eine Strategie auch für Innenstadtlagen. Die Zeit wird zeigen, ob sich Apotheker dazu bereit erklären. Verträge sind schon unterschrieben, deshalb gehe ich ganz entspannt in diese Diskussion. Über genaue Orte will ich nicht sprechen. Aber der Plan bleibt: Jede Woche eine neue Filiale.
Das Gespräch führte Tim Höfinghoff