Dollar-Panik an der Börse Verkäufe auf breiter Front
Frankfurt am Main/London - Der Dax fiel bis zum Mittag um 1,57 Prozent auf 3609 Punkte. Alle 30 Dax-Werte verbuchten Verluste. Auch der breite Markt lag im Minus, der C-Dax, der alle deutschen Werte abbildet, verlor 1,5 Prozent auf 316 Punkte
Im Dax gerieten vor allem die Exportwerte unter Druck. Die Aktien von Volkswagen verloren mit 2,19 Prozent auf 42,34 Euro besonders deutlich. Die Aktien der Chemieunternehmen litten zudem unter dem hohen Ölpreis. BASF gaben 1,79 Prozent auf 40,49 Euro nach. Bayer verloren 1,57 Prozent auf 21,34 Euro. Die Papiere des Chipherstellers Infineon fielen um 3,34 Prozent auf 11,57 Euro und waren damit der schwächste Dax-Wert. Händler machten die wachsende Sorge vor einem Preisverfall der Speicherchips für die Verluste verantwortlich. Siemens gaben 2,8 Prozent auf 57,90 Euro nach.
Gleich zwei schlechte Nachrichten für den Dollar
Hintergrund des Kursrutsches ist die Sorge, dass der gegenüber dem Dollar steigende Euro sich negativ auf die Konjunkturerholung in Europa auswirken wird, weil sich Exporte aus der EU in andere Länder verteuern. Analysten gehen davon aus, dass ein zehnprozentiger Wertgewinn des Euro gegenüber dem Dollar die Exportwirtschaft der Eurozone drei bis vier Prozent ihrer Profite kostet.
Devisenhändler begründeten den Anstieg der europäischen Währung zum einen mit einem drohenden Handelsstreit zwischen den USA und China, der den Dollar unter Druck setze. Das US-Handelsministerium hatte zuvor erklärt, gegen chinesische Textilimporte vorgehen zu wollen, weil diese die USA überschwemmten. "Das hat Spekulationen angefacht, dass eine protektionistische Haltung Washington früher oder später dazu veranlassen könnte, den Dollar zu schwächen", sagte ein Analyst.
Des weiteren wurden am Dienstagabend Zahlen bekannt, nach denen der Nettozufluss von ausländischem Geld in die US-Wertpapiermärkte auf den niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre gesunken ist. Nach Angaben des US-Finanzministeriums fielen die ausländischen Investitionen am US-Kreditmarkt im September auf 5,6 Milliarden Dollar von 25,2 Milliarden im August.
Wegen einer hohen Staatsverschuldung und eines dramatischen Leistungsbilanzdefizits ist es für die USA von großer Bedeutung, dass weiterhin Geld ins Land fließt. An den Finanzmärkten wächst in der Folge die Sorge, dass die Vereinigten Staaten demnächst ihre Zinsen erhöhen müssen, um ihr Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren - auch dies wirkt sich negativ auf den Dollarkurs aus.
Euro peilt 1,20 Dollar an
Der Euro stieg auf 1,1977 Dollar und erreichte damit ein Allzeithoch. Händler rechneten noch für Mittwoch mit einem ersten Test der psychologisch wichtigen Marke von 1,20 Dollar. Im Verlauf erholte sich der Dollar leicht. Händler verwiesen auf eine Intervention der Japanischen Notenbank, die den Dollar stütze. Der Euro notierte im Verlauf immer noch gut anderthalb US-Cent über dem EZB-Referenzkurs vom Vortag von 1,1778 Dollar.