Dollar-Schwäche: Airbus sucht sein Heil im Ausland - DER SPIEGEL
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Dollar-Schwäche Airbus sucht sein Heil im Ausland

Einsparen, verkaufen, verlagern: Aus Angst vor dem hohen Euro-Kurs treibt Airbus eine radikale Neuaufstellung voran. Künftig will der Konzern verstärkt in Amerika, Russland und Indien produzieren - deutschen Beschäftigten droht Mehrarbeit bei altem Lohn.
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Hamburg/Frankfurt am Main - Eines scheint schon klar: Weil der Euro   steigt und der Dollar fällt, werden Airbus und der Mutterkonzern EADS   weitere Teile der Produktion aus Europa weg auf andere Kontinente verschieben. "Wir werden Teile der Produktions- und Zulieferbereiche in den Dollar-Raum verlagern müssen", sagte EADS-Chef Louis Gallois der "Welt am Sonntag".

Zur Debatte stehen dabei neue Produktionsstätten und Zulieferer in China, Russland, Indien und dem arabischen Raum. Auch Amerika könnte profitieren. Eine Airbus-Sprecherin sagte, es sei Ziel des Konzerns, den Anteil des Flugzeugbaus außerhalb Europas auf 50 Prozent zu steigern.

Der Konzern reagiert auf den bedrohlichen, raschen Verfall des US-Dollars. In der vergangenen Woche hatte der Euro ein Niveau von beinahe 1,50 Dollar erreicht - ein historischer Rekord. "Das ist ganz klar eine existenzielle Bedrohung - nicht unmittelbar, aber längerfristig", sagte Gallois, und griff damit Warnungen des Airbus-Chefs Tom Enders auf. Der Flugzeugbauer leidet unter den Devisen-Wirrungen, weil seine Kosten überwiegend in Euro anfallen, Flugzeuge auf dem Weltmarkt aber in Dollar bezahlt werden.

40 Stunden Arbeit - zum Preis von 35?

"Der Verfall des Dollar-Kurses ist so rasant, dass es unmöglich ist, darauf schnell genug zu reagieren", mahnte Gallois. "Das gefährdet die europäischen Hightech-Branchen." Auf dieser Basis könne EADS "nicht mehr vernünftig für die Zukunft planen", so der Konzernchef. "Wir werden unsere Entwicklungspläne zurückschrauben müssen." Besonders bitter: Die Krise hat Airbus voll erwischt, obwohl der Konzern stupende Verkaufszahlen melden kann - in diesem Jahr gingen schon Bestellungen für rund 1200 Flugzeuge ein, mehr als je zuvor.

Ein Stellenabbau infolge der Dollar-Krise sei nicht geplant, stellte die Airbus-Sprecherin klar - jedenfalls nicht über die im Rahmen des Sanierungsprogramms "Power 8" vorgesehenen Sparmaßnahmen. "Wir fahren gerade die Produktion weiter hoch. Da sind weitere Einschnitte in den Personalbestand kein Thema", zitierte die Zeitung "Euro am Sonntag" einen namentlich nicht genannten Airbus-Manager.

Airbus-Beschäftigten droht jedoch Mehrarbeit ohne Lohnausgleich. Der Konzern denkt darüber nach, in Deutschland bei unverändertem Gehalt die Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden zu erhöhen - das geht aus Planungen einer internen Expertengruppe hervor. Die Airbus-Sprecherin wollte dies nicht kommentieren.

"Eine solche Heuschrecke ist für uns eine Horrorvision"

Airbus bemüht sich zugleich um staatliche Hilfe aus Paris, Berlin und von der EU. Einem Bericht von "Euro am Sonntag" zufolge fordert der Flugzeughersteller vor allem für die Entwicklung des Langstreckenflugzeugs A350XWB öffentliche Beihilfen. "Anders als bei früheren Flugzeugmodellen hat Airbus beim A350 bislang keine öffentlichen Entwicklungsdarlehen in Anspruch genommen", zitiert das Blatt den Manager. "Das können wir uns bei einer weiteren Verschlechterung des Dollar-Kurses einfach nicht mehr leisten."

Beim angestrebten Verkauf der Airbus-Werke Varel und Nordenham sowie des EADS-Werkes Augsburg ist der Konzern weiter mit allen Bietern im Gespräch. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten in der Branche der Bremer Raumfahrtkonzern OHB und das US-Unternehmen Spirit. OHB will den US-Finanzinvestor Cerberus an dem Geschäft beteiligen, da die Bremer den Kauf nicht stemmen können. "Eine solche Heuschrecke ist für uns eine Horrorvision", heißt es aus Kreisen des Airbus-Betriebsrats.

itz/Reuters/AFP/dpa

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