Doppelrekord Deutsche Wirtschaft erneut Exportweltmeister
Wiesbaden - Nie zuvor hat Deutschland so viele Waren exportiert und solch einen hohen Überschuss erzielt wie im vergangenen Jahr. Wie das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden mitteilte, übertrafen die Ausfuhren die Einfuhren um 22,5 Prozent. Der Saldo - also die Differenz zwischen Ausfuhren und Einfuhren - lag bei 164,6 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte sie noch 158,2 Milliarden Euro betragen. Gleichzeitig kletterte der Wert der ausgeführten Waren um 13,7 Prozent auf 893,6 Milliarden Euro - ein historischer Rekord und weltweit der Spitzenplatz. Auf Platz zwei beim Weltexport landeten die USA vor China.
"Die Rekorde sind ein Beleg für die Stärke der deutschen Wirtschaft", sagte ein Statistiker. Das gute Abschneiden führen Volkswirte auf die starke weltweite Nachfrage, aber auch Kostensenkungen bei Unternehmen und moderate Lohnsteigerungen zurück.
Diese Erfolge wurden allerdings nicht zuletzt durch günstige Vorprodukte aus Osteuropa möglich. Die Produktionsverlagerung in billige Niedriglohnländer gilt als eine der Schattenseiten des Exportbooms, die von der Statistik nicht erfasst wird.
Unabhängig davon signalisieren die Zahlen aber auch noch ein zweites Problem: "Die deutsche Wirtschaft hängt nach wie vor stark von der außenwirtschaftlichen Entwicklung ab", sagt Volkswirt Andreas Scheuerle von der DekaBank.
Die höchsten Handelsbilanzüberschüsse erzielte Deutschland 2006 im Warenverkehr mit den USA (29,5 Milliarden Euro), gefolgt von Spanien und Frankreich. Große Handelsbilanzdefizite gab es dagegen mit China (21,2 Milliarden Euro), vor allem wegen der zahlreichen Importe von Computern, Handys und anderen elektronische Produkten. China wird auch wegen der als unterbewertet geltenden Währung Yuan kritisiert, die chinesische Exporte auf dem Weltmarkt begünstigt. Aber auch im Handel mit Norwegen, Irland und Japan gab es ein Minus.
Seit 2004 hat Deutschland den Überschuss im Außenhandel stetig auf neue Höchstwerte gesteigert. Deutschland bestreitet heute rund 9,3 Prozent der weltweiten Exporte.
mik/dpa/AFP/AP