Dosenpfand "Getränke knapp, Verbraucher sauer"
Hamburg - Die große Idee könnte schon an ganz kleinen Alltagsproblemen scheitern. Herbert Goldmann zum Beispiel weiß gar nicht wohin mit dem Müll. Der Inhaber eines kleinen Getränkehandels in der Hamburger Innenstadt hat sowieso notorische Platzprobleme: "Wenn die Leute die Dosen zurückbringen, wo soll ich die aufbewahren? Zurücknehmen sollen wir sie, aber was wir damit machen sollen, sagt uns keiner."
Verdruss bereitet bei den Händlern nicht zuletzt die Unsicherheit, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt. Die zurückgebrachten Dosen würden zwei Mal wöchentlich von einer Spedition abgeholt. "Das geht alles unheimlich ins Geld", sagte der Mitarbeiter einer Tankstelle, hinter dem sich die Dosen bereits stapeln. Und am Ende sei keineswegs sicher, ob die Dosen recycelt oder einfach auf den Müll geworfen würden.
Seit dem Jahreswechsel muss für bestimmte Getränke in Dosen und Einwegflaschen aus Glas oder Plastik 25 oder 50 Cent (für große Flaschen) Pfand erhoben werden, die bei Rückgabe des Leerguts wieder ausgezahlt werden. Zunächst müssen die Verpackungen zur jeweiligen Verkaufsstelle zurückgetragen werden. Doch diese nehmen den Müll anscheinend nur eher widerwillig entgegen.
Einige Geschäfte in Hamburg jedenfalls reagierten am ersten Tag der Einführung des neuen Dosenpfands eher mit hinhaltendem Widerstand. Wer sein Geld zurück haben will, muss vor allem die Pfandmarke vorlegen. Ob die Dose dann in die hauseigene Restmülltonne wandert, wird nicht kontrolliert. "Das wichtigste ist der Bon", sagt die Kassiererin im Spar-Markt am Hamburger Rathausmarkt lakonisch. "Wenn die Kunden ihre Dosen zu Hause entsorgen, kann es uns nur Recht sein."
Im Penny-Markt am Großneumarkt wird die Rückgabe der Dosen ebenfalls nur lax kontrolliert. "Wir achten schon drauf, ob die Kunden die Dosen zurück bringen", sagt zwar der stellvertretende Filialleiter Sedat Guengoer. Aber die Kassiererinnen können die Rücknahmebehälter von ihrem Platz aus gar nicht sehen. Sie stehen im Eingangsbereich, der von den Kassen durch eine Tür getrennt ist.
Bei Rewe, der Muttergesellschaft der Penny-Kette reagiert man zurückhaltend: "So ist das System eigentlich nicht gedacht". Allerdings, so räumt Rewe-Sprecher Wolfram Schmuck ein, existiere noch keine Regelung, die das Unterlaufen des Dosenpfands verhindern soll.
Von hinhaltendem Widerstand solcher Art wollen die Vertreter des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels dagegen nichts wissen. Die meisten deutschen Einzelhändler würden die Pfandpflicht beachten, sagte ein Sprecher. Dennoch zog er eine negative Bilanz: "Einwegpfand: Getränke knapp, Verbraucher sauer, Arbeitsplätze in Gefahr", so sein Resümee. Derzeit laufe der Absatz von Einwegverpackungen schleppend. Die kritische Phase werde erst in einigen Tagen beginnen.
Für Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe ist das kein Grund, am Erfolg des Gesetzes zu zweifeln. Bereits jetzt werde das Ziel erreicht, den Anteil umweltfreundlicher Mehrwegflaschen zu erhöhen. Dieser sei von zuletzt etwa 50 Prozent auf etwa 65 Prozent hochgeschnellt, weil viele Läden und Kunden auf Mehrweg umstellten. Die Verbände der kleinen Brauereien und der Getränkefachhändler zeigten sich denn auch am Donnerstag begeistert über Umsatzzuwächse bei Mehrwegflaschen.