Dotcom-Börsengänge: Verbrenner und Gewinner - DER SPIEGEL
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Dotcom-Börsengänge Verbrenner und Gewinner

Nach Einschätzung der Investoren sind Google-Aktien eine todsichere Geldanlage. Doch das dachten auch die Investoren von eToys, Commerce One oder Priceline.com. SPIEGEL ONLINE zeigt die wichtigsten Dotcom-Börsengänge und was man dabei verdienen konnte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer zuerst kommt, kassiert: Die höchsten Kursgewinne haben diejenigen Internet-Unternehmen erzielt, die ihre Aktien bis Herbst 1998 und damit vor der großen Spekulationsblase auf den Markt gebracht haben. So strichen Aktionäre der ersten Stunde von Internetpionier Yahoo! bis heute mehr als 5000 Prozent Gewinn ein. Das Internet-Versandhaus Amazon ist nach sieben Jahren rund 30-mal so viel wert wie zu Beginn des ersten Börsentages.

Die Senkrechtstarter

Unternehmen Jahr des Börsengangs Emissionsvolumen* Kursgewinn am ersten Tag** Kursveränderung seit dem Börsengang**
Theglobe.com Nov 98 26,3 605,6 -81,3
Priceline.com März 99 160,0 331,3 -95,5
eToys Mai 99 191,4 282,8 -99,5
TheStreet.com Mai 99 120,2 215,8 -77,9
Commerce One Juni 99 79,7 190,5 -90,3
eBay September 98 72,5 163,2 832,8
Yahoo! April 96 33,8 153,9 5211,4
MP3.com Juli 99 289,8 126,1 -82,1
Netscape Communications August 95 161,0 108,0 597,3
DoubleClick Februar 98 68,4 57,4 293,9
barnesandnoble.com Mai 99 517,5 42,4 -83,2
amazon.com Mai 97 62,1 30,6 3100,0
CMGI Januar 94 9,9 0,0 1262,0
Salon Media Group Juni 99 26,3 -4,8 -99,2
Quelle: Dialogic *in Mio Dollar ** in Prozent

Seit Beginn des Jahres 1999 begaben sich Investoren dagegen auf sehr dünnes Eis. Phantasievolle Unternehmen wie Priceline, TheStreet oder Commerce One haben ihre Kurse in der allgemeinen Euphorie zwar am ersten Handelstag mehr als verdoppelt, doch in der Folgezeit fast das gesamte Geld der Aktionäre verbrannt. Wer spät eingestiegen war, tat gut daran, schleunigst wieder zu verkaufen und seine Verluste vor dem freien Fall der Kurse zu begrenzen.

Auch Börsenstars bringen Verluste

Doch auch mit Börsenstars wie Yahoo! und Amazon konnte man reichlich Geld verlieren - wenn das Timing schlecht war. Wer zwischen Herbst 1999 und Frühjahr 2000 bei Yahoos scheinbar unaufhaltsamen Kursanstieg dabei sein wollte, musste für die Aktie rund 200 Euro bezahlen: Ende 2001 war die Aktie noch zehn Euro wert. Auch Amazon musste zwischen Frühjahr 2000 und Ende 2001 einen Kursverlust in Höhe von rund 80 Prozent hinnehmen. Die Aktie der Internet-Beteiligungsgesellschaft CMGI vollzog gar den freien Fall: Binnen weniger Monate verlor die Firma 99 Prozent ihres Börsenwertes. Freude an CMGI-Papieren haben heute nur noch die allerersten Investoren, die für ihre Aktien vor zehn Jahren ein paar Cent bezahlt hatten.

Neuer Einstieg, neue Chancen

Nervenstarke Investoren bekamen durch den Börsencrash der Jahre 2001 und 2002 eine neue Chance. Wer die heruntergeprügelte Aktie von Yahoo! Ende 2002 wieder einsammelte, konnte sein Kapital bis heute wieder mehr als vervierfachen. Für Aktionäre, die beim IPO zum Zuge kamen, ist diese Entwicklung bescheiden - für Anleger, die seit 2001 unter die Räder gerieten, ist es zumindest ein schwacher Trost.

Eine bemerkenswerte Ausnahme ist die Aktie des Internet-Auktionshauses eBay: Selbst diejenigen Investoren, die eBay-Aktien zum Höhepunkt des Hypes im Frühjahr 2000 für rund 60 Euro kauften, verzeichneten bis heute einen Gewinn von mehr als zehn Prozent. Die Aktie notiert derzeit nur knapp unter ihrem Allzeithoch: Sollte die Google-Aktie den Weg von eBay nachzeichnen, hätten Aktionäre Grund zur Freude.