Drahtloses Internet: Die Giganten greifen an - DER SPIEGEL
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Drahtloses Internet Die Giganten greifen an

Anfangs waren schnelle lokale Datennetze (W-LANs) nur die Sache von Hackern und Breitband-Piraten. Jetzt wollen die Branchenführer AT&T, IBM und Intel den drahtlosen Internet-Zugang nahezu überall in den USA verfügbar machen – eine gefährliche Konkurrenz für UMTS.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Larry Brilliant ist kein Mann der kleinen Worte. Seine Firma, so sagt er, werde bis 2004 für eine "nahezu allgegenwärtige Erreichbarkeit" der W-LAN-Netze in den USA sorgen. Das diese Ankündigung ernst zu nehmen ist, muss Brilliant auch nicht betonen. Er ist Chef der neu gegründeten Firma Cometa Networks, Anteilseigner sind der weltgrößte Kabelfernseh- und Telefonanbieter AT&T, der weltgrößte Server-Hersteller IBM und der weltgrößte Chiphersteller Intel.

Dass Cometa rund 20.000 so genannter "hot spots" aufstellen will, ist noch die kleinere Nachricht. Damit reihen sich die Technologie-Giganten nur in die Reihe der Unternehmen und Hobbygruppen ein, die bereits jetzt – kostenlos oder für 40 bis 200 Dollar pro Monat – einen drahtlosen Internetzugang in bestimmten Zonen von Büros, Cafés, Hotels, Flughäfen oder Privatwohnungen anbieten.

Die wirkliche Schlagkraft wird die W-Lan-Technologie (in den USA besser unter dem Namen WiFi bekannt) aber entfalten, wenn Intel Mitte 2003 Chips auf den Markt bringt, die derzeit unter dem Codenamen Banias entwickelt werden. Diese Notebook- und Handheld-Prozessoren sollen speziell für das Funken in drahtlosen Netzen augerüstet sein. Bisher wurde die neue Technologie nur verhalten angenommen, weil für die Nutzung eine eigens gekaufte W-LAN-Karte in den Laptop gesteckt werden muss. Immerhin wird der Markt für W-LAN-Komponenten in diesem Jahr um 73 Prozent steigen, sagen die Marktforscher von Dataquest. Nach Brilliants Ansicht kommt die richtige Welle, sobald die Banias-Chipsets eingebaut werden: "Anstelle der momentan drei Millionen werden sie 80 bis 90 Millionen Nutzer auf der Suche nach "hot spots" sehen", sagte er den "San Jose Mercury News".

Die meisten Experten sehen in der Ausbreitung der W-LAN-Technologie ein ernstes Problem für die Einführung von UMTS. Die lokalen Funknetze haben zwar den entscheidenden Nachteil, dass sie nur an bestimmten, eng begrenzten Orten genutzt werden können, sie schaffen jedoch weitaus höhere Übertragungsraten als die ersten UMTS-Geräte und das zu einem viel niedrigeren Preis. Im Vergleich zu den Milliardeninvestitionen nehmen sich die Kosten für die "hot spots" geradezu lächerlich aus: Die 20.000 geplanten Einwahlstellen von Cometa, so schätzt man in der Branche, werden die Konten der Technologie-Giganten insgesamt mit nicht mehr als 40 Millionen Dollar belasten.

Craig Mathias, Partner der Unternehmensberatung Farpoint Group, erwartet, dass die Zahl der W-LAN-Nutzer mit der Zahl der Handy-Nutzer gleichziehen wird. Laut "Informationweek" rechnet er damit, dass in fünf Jahren alle Laptops und Handheld-Computer funkfähig sind.

Die Cometa-Führung will dennoch nicht von einem Verdrängungswettbewerb sprechen. "Es ist Platz für beide Technologien", sagt Chairman Theodore Schell. Andrew Seybold, Redakteur des Branchendienstes Outlook4Mobility ist da anderer Meinung: "Es ist klar, dass momentan eine drahtlose Landnahme in Gang ist".