Bundeswehr Dran gedreht
Die Frage schien nebensächlich, das Sujet eher belanglos. Im Haushaltsausschuß des Bundestages begehrte der SPD-MdB Bernhard Bußmann Auskunft darüber, zu welchem Preis die Bundeswehr ausgemusterte Hubschrauber des Typs Sikorsky S-58/H-34 G abgesetzt habe.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Karl-Wilhelm Berkhan, wußte auf die Abgeordneten-Frage zunächst keine Antwort. Als der Gehilfe des Wehrministers zwei Tage später, am Mittwoch vorletzter Woche, dann die Details der Hubschrauber-Absatzaktion preisgab, stand für den sozialdemokratischen Parlamentarier und Hauptmann a. D. Peter Würtz fest: »Das ist ein ganz großer Skandal.«
Den ausgedienten Stern-Träger schockierte, daß Bonns Verteidigungsministerium Hubschrauber, die neu 1,6 Millionen Mark pro Stück gekostet haben, über die Verwertungsgesellschaft für Bundeseigentum (Vebeg) für ganze 40 000 Mark im Durchschnitt verhökert hat.
Ein Gebraucht-Preis in der Höhe von nur 2,5 Prozent des Anschaffungswertes scheint den Abgeordneten so dubios, weil die gut gewarteten Bundeswehr-Hubschrauber noch bestens erhalten sind: Im Durchschnitt absolvierten die Maschinen nur 2500 Flugstunden, einsatzfähig aber sind die Luftgefährte für rund 10000 Flugstunden. Daß so wenig genutzte Helikopter gemeinhin zu Preisen über 40000 Mark gehandelt werden, ermittelte der Abgeordnete Würtz derweil auf Privat-Recherche. »Fachleute aus der Industrie« (Würtz) nannten dem Parlamentarier Schätzpreise von 300 000 bis 350 000 Mark.
Ihre heute so wohlfeilen Maschinen hatte die Bundeswehr zwischen 1958 und 1962 bei der amerikanischen »United Aircraft« gekauft. Weil die Hubschrauber nicht für alle Wetterlagen tauglich sind und vor allem den Generälen zu langsam erscheinen, sollen von den 145 S-58-Modellen der Bundeswehr nun 76 ausgemustert werden.
Ihre Gebraucht-Maschinen bot die Hardthöhe zunächst Innenminister Genscher für den Bundesgrenzschutz an. Doch Genscher, auf erstklassige Ausrüstung seiner Privat-Truppe bedacht, »wollte die alten Klamotten nicht« (MdB Bußmann).
So bekam die Frankfurter Vebeg den Auftrag, die ausgemusterten Helikopter abzusetzen. Bis zum 29. März waren 25 Maschinen verkauft -- die meisten gingen an den amerikanischen Hersteller »United Aircraft« zurück, fünf an die Kasseler Henschel-Werke, die für die Wartung der 5-58 zuständig sind. Per Ausschreibung hatten die Frankfurter Bundes-Verkäufer Preise zwischen 18 000 und 77 000 Mark erzielt.
Warum es nicht mehr war, soll nun, laut Auftrag des Haushaltsausschusses« bis zum September der Bundesrechnungshof klären. Der Verkauf wurde vorerst gestoppt.
Das Verteidigungsministerium. möchte sich zu dem Bombengeschäft für die Hubschrauberkäufer vorerst nicht äußern. Lutz Wolf, Hardthöhen-Sprecher für Heer und Rüstung: »Wir dürfen dem Parlament die Auskunft nicht vorwegnehmen.« Parlamentarier Würtz plagen freilich schon jetzt böse Ahnungen. Der Berufssoldat a. D.: »Da muß ja irgend jemand dran gedreht haben.«