Dresdner/Allianz Expansion, keine Entlassungen
Frankfurt am Main - Der neue Allfinanzkonzern aus Allianz und Dresdner Bank will bei Finanzdienstleistungen künftig weltweit den Ton angeben. Der Finanzriese, jetzt der viertgrößte der Welt, sei "die richtige Antwort auf die Herausforderung der Märkte", sagte Dresdner-Bank-Vorstandssprecher Bernd Fahrholz am Montag in Frankfurt am Main. Die Beschäftigten könnten sich auf "noch attraktivere und sicherere" Arbeitsplätze freuen.
Der Chef von Deutschlands drittgrößter Bank sprach von einem "historischen Schritt" zur Konsolidierung der deutschen Finanzwirtschaft. Die Eingliederung der Dresdner unter das Dach des Münchner Versicherungskonzerns solle "fair" verlaufen, versprachen Fahrholz und Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle. Die Dresdner Bank werde nicht zerschlagen, auch stehe "kein Ausverkauf" einzelner Geschäftssparten an.
Schulte-Noelle kündigte die weitere Expansion an. "Wir werden nicht den Fehler machen, uns vorwiegend nur noch mit uns selbst zu beschäftigen", sagte er. Nach Medienberichten ist die Allianz am Nürnberger Discount-Broker Consors interessiert und führt zudem mit der US-Investmentbank Merrill Lynch Gespräche über eine Vertriebskooperation in den USA.
Nach den Plänen von Allianz und Dresdner soll die Investmentsparte Dresdner Kleinwort Wasserstein zunächst rechtlich selbstständig und in zwei bis vier Jahren an die Börse gebracht werden. Die Allianz will aber die Mehrheit der Anteile behalten.
Mit der Übernahme der Dresdner Bank rückt die Allianz mit einer Marktkapitalisierung von rund 110 Milliarden Euro zum weltweit viertgrößten Finanzkonzern hinter Marktführer Citigroup, American International Group und HSBC auf.
Stellenabbau bei Dresdner Bank geht weiter
Der bereits vor Bekanntgabe der Fusion eingeleitete Stellenabbau bei der Dresdner Bank werde fortgesetzt, sagte Fahrholz. "Wir sind dabei voll im Plan." Die Zahl der Filialen werde wie geplant von 1150 auf 800 reduziert. Insgesamt sollen 5000 Stellen wegfallen. Es werde jedoch keine weiteren fusionsbedingten Entlassungen geben, sagte Fahrholz.
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderte am Montag ein Bekenntnis zum Erhalt aller Arbeitsplätze. Im InfoRadio Berlin-Brandenburg sagte Uwe Fullong, Vorstandssekretär für Bankenpolitik, die Filialschließungen müssten sofort gestoppt werden.
Fahrholz wird stellvertretender Chef der Allfinanz
Die Dresdner Bank wird als eigenständiges Kreditinstitut unter dem Dach der Allianz-Holding weiter geführt. Neben seiner Position als Vorstandssprecher der Dresdner Bank wird Fahrholz auch stellvertretender Vorstandschef in der Allianz-Holding.
Am Wochenende hatten die Aufsichtsräte von Allianz und Dresdner Bank die Übernahmepläne abgesegnet. Den 20 Millionen Kunden im Inland sollen künftig gemeinsam Versicherungen, Vermögensverwaltung und Bankgeschäfte aus einer Hand angeboten werden. Die Dresdner-Aktionäre können jeweils zehn Anteile in eine Allianz-Aktie umtauschen. Zusätzlich erhalten sie für das Zehner-Paket 200 Euro (392 Mark) in bar.
Der neue Allfinanzkonzern werde sich vor allem auf die Wachstumsmärkte Altersvorsorge und Vermögensverwaltung mit einer breiten Palette von Produkten konzentrieren, sagte Schulte-Noelle. Die Allianz erreicht mit 12.000 Agenturen in Deutschland bereits rund 17 Millionen Kunden. Die Dresdner Bank verfügt nach eigenen Angaben über 1200 Filialen, 11.000 Berater und 6,5 Millionen Kunden.