Dresdner Bank Die Agenten-Liaison
Dass Russlands Präsident Wladimir Putin einst für den russischen Geheimdienst KGB in Dresden bis zur Zeit des Mauerfalls aktiv war, ist hinlänglich bekannt. Nicht zuletzt auf Grund seiner hervorragenden Sprachkenntnisse bekam er damals den Spitznamen der "Deutsche".
Einem Bericht des "Wall Street Journal" (WSJ) zufolge soll Putin in dieser Zeit auch Matthias Warnig, heute Chef der Dresdner Bank-Dependance in Russland, kennen gelernt haben. Warnig habe es nach "WSJE"-Recherchen bei der Staatssicherheit der DDR bis zum Major gebracht. In dieser Funktion soll er Putin geholfen haben, im Westen Spione zu gewinnen.
Warnig selbst war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen und äußerte sich auch gegenüber dem "WSJ" nicht zu den Stasi-Vorwürfen. Ein Sprecher der Dresdner Bank und der frühere Bank-Vorstand Bernhard Walter bestätigten aber gegenüber manager-magazin.de, Warnig habe für die Stasi gearbeitet. Das sei der Bank bei der Einstellung aber nicht bewusst gewesen und sei heute kein Thema mehr. In welcher Funktion Warnig für die Stasi gearbeitet habe, konnten der Sprecher und Walter nicht genau sagen.
Nach der Wende heuerte Warnig bei der Dresdner Bank an. Laut "WSJ" und Walter hat er sich dabei als Ex-Mitarbeiter des DDR-Wirtschaftsministeriums ausgegeben. Die Bank habe ihn dann 1991 nach St. Petersburg beordert, um dort das Bankgeschäft aufzubauen. Diesen Umstand bestätigt auch ein früherer hochrangiger Manager der Dresdner Bank gegenüber manager-magazin.de: "Warnig wurde von uns damals nach Russland geschickt, um für die Dresdner Bank eine Banklizenz zu beschaffen."
Der damals für das Osteuropageschäft zuständige Dresdner-Vorstand Walter ließ diese Schilderung im Gespräch mit manager-magazin.de so nicht stehen. Nicht die Dresdner Bank habe um eine Banklizenz buhlen müssen, sondern die Stadt St. Petersburg habe sich um die Bank als Investor bemüht. Walter wies vor allem die Behauptung des "Wall Street Journals" zurück, dass die guten persönlichen Kontakte des von ihm eingestellten Warnig zu Putin, der damals stellvertretender Oberbürgermeister von St. Petersburg war, die Lizenzvergabe begünstigt hätten. Nach seinen Information hätten sich Warnig und Putin zudem Anfang der neunziger Jahre in Russland erstmals getroffen.
Walter sagte, zum Zeitpunkt der Einstellung Warnigs habe es bei einer Überprüfung keinerlei Hinweise auf eine Stasi-Vergangenheit Warnigs gegeben. Erst später habe Warnig ihm in einem persönlichen Gespräch offenbart, dass die Behörden gegen ihn in Sachen Stasi-Mitarbeit Untersuchungen anstellten. Kurz danach gab es schon ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das quasi einen Schlussstrich unter die Stasi-Machenschaften zog. Damit war der Fall auch für die Dresdner Bank erledigt.
Warnigs angeblich "kameradschaftlichen Beziehungen" zu Putin sollen sich für die Dresdner Bank laut "WSJ" aber mit dessen Aufstieg zum Premierminister 1999 und zum Präsidenten im Jahr 2000 ausgezahlt haben. Warnig sei der "Türöffner" für die Dresdner Bank in Russland gewesen, heißt es.
Zuvor hatte sich die Bank ihrerseits generös gezeigt. Nach einem Verkehrsunfall flog sie Putins Gattin zu einem Klinikaufenthalt nach Deutschland. "Dazu stehe ich, das war für mich eine absolute Selbstverständlichkeit, aus rein menschlicher Sicht", sagte Ex-Vorstand Walter.
Nachdem Putin Präsident geworden war, hat die Dresdner Bank vor allem im Zuge der Privatisierungen für die russische Regierung Öl- und Kohle-Konzerne bewertet. 2003 hat die Investment-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) dann für den mehrheitlich staatlichen Gaskonzern Gazprom die zu diesem Zeitpunkt mit 1,75 Milliarden Dollar jemals größte Anleihe eines Unternehmens aus einem Schwellenland begeben.
Im vergangenen Sommer bekam DrKW dann vom russischen Justizministerium den Auftrag, die Jukos-Tochter Juganskneftegaz im Zuge der Versteigerung des Unternehmens zu bewerten. Konkurrenten beklagen laut "WSJE", dass es keine faire Ausschreibung für den Auftrag gegeben habe. Gleiches gelte auch für die Betreuung des Mergers von Gazprom mit Rosneft. Ex-Vorstand Walter heftete im Gespräch mit manager-magazin.de die Verdienste um diese Akquisition aber nicht an Warnigs, sondern die eigene Brust. Er selbst habe einst die Kontakte zu Gazprom hergestellt und Warnig später dort eingeführt.
Die Russland-Deals sind aber nicht nur für die Dresdner Bank, sondern auch für Russland-Statthalter Matthias Warnig persönlich prestigeträchtig. Er soll demnächst in den Aufsichtsrat von Gazprom berufen werden.