Dresdner Bank: Tango mit der Ex-Junta - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Dresdner Bank Tango mit der Ex-Junta

Die Dresdner Bank ist in Argentinien in einen ausgewachsenen Wirtschaftskrimi verwickelt. Gegen Verantwortliche der Banco General de Negocios (BGN) in Buenos Aires, an der die Tochter des Allianz-Konzerns 25,6 Prozent des Kapitals hält, ermittelt nun die Justiz.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Buenos Aires - Im Aufsichtsrat der BGN sitzt Bernd Fahrholz, Vorstandsvorsitzender der Dresdner Bank. Der Verdacht der argentinischen Behörden lautet auf Beihilfe zur Kapitalflucht, Geldwäsche sowie Unterschlagung. Vizepräsident und Großaktionär Carlos Rohm wurde bereits in Argentinien verhaftet. Sein Bruder und Bank-Präsident José Rohm befindet sich dagegen seit der letzten Aufsichtsratssitzung, die Ende Januar in Zürich stattfand, auf der Flucht. "Wir unterstützen die Behörden bei ihren Ermittlungen", sagt Dresdner-Bank-Sprecher Torsten Albig.

Der Anteil am stimmberechtigten Kapital betrage jedoch nur 9,8 Prozent, man habe daher "keinen Einfluss auf das operative Geschäft", relativiert er. Dennoch gilt die Finanzbeteiligung als äußerst fragwürdig: Zum Aufsichtsrat der BGN gehört José Alfredo Martínez de Hoz ­ Ende der siebziger Jahre war er Wirtschaftsminister unter Junta-Chef Jorge Videla. 30 000 Menschen kamen damals während der blutigen Militärdiktatur ums Leben. "Martínez de Hoz wurde wegen seiner Mitgliedschaft in der Videla-Regierung nie belangt", kontert Albig, zudem kenne Fahrholz Martínez de Hoz nicht persönlich.

Trotzdem kriegen die Banker jetzt kalte Füße: Fahrholz habe Schritte eingeleitet, "dieses Amt niederzulegen", heißt es in Frankfurt. Die Dresdner Bank steht in der peinlichen Affäre allerdings nicht allein da: Auch Credit Suisse und J. P. Morgan Chase halten je etwa ein Viertel des BGN-Kapitals. Beide haben ebenfalls ihre obersten Chefs in den Aufsichtsrat geschickt.