Dresdner Kleinwort Vorstandschef Fischer tritt ab
Frankfurt am Main - Erst vor zwei Wochen hatte Fischer in einem Magazin-Interview versucht, positive Stimmung zu verbreiten. DKW sei zwar nicht profitabel und kein Global Player, auch müsse drastisch gespart werden. Trotzdem verfüge das Haus über "einzigartige Assets". Gerüchte über einen Verkauf oder eine völlige Schließung von DKW dementierte Fischer - zum wiederholten Male.
Nun ist der Vorstand dem harten Sanierungskurs offenbar selbst zum Opfer gefallen. Erste Informationen aus Bankenkreisen wurden von der Dresdner Bank inzwischen bestätigt. Fischer habe den Aufsichtsrat der Bank gebeten, ihn wegen unterschiedlicher Auffassungen über den Unternehmensbereich Corporates & Markets vorzeitig von seinen Vorstandspflichten zu entbinden, teilte die Bank mit. Der Aufsichtsrat habe dieser Bitte entsprochen. Fischer werde mit Wirkung zum 31. Oktober aus dem Vorstand ausscheiden.
Die Verantwortung im Vorstand für den Unternehmensbereich habe kommisarisch der Dresdner-Vorstandsvorsitzende Bernd Fahrholz übernommen. Zugleich habe Fischer auch den Aufsichtsrat der Allianz gebeten, seine Bestellung in den Vorstand der Allianz zum gleichen Zeitpunkt aufzuheben.
Der DKW-Chef gilt als mitverantwortlich für die Krise der Investment-Banking-Tochter. Sie und der Stellenabbau bei anderen Dresdner-Sparten waren heute Thema der Sitzung, bei der der Vorstand den Aufsichtsrat der Bank informierte. Am Donnerstag werden Fahrholz und Allianz-Vorstand Helmut Perlet voraussichtlich weitere Details zu den zusätzlichen Spar- und Restrukturierungsplänen erläutern.
Bislang sahen Planungen vor, dass die Dresdner Bank bis 2003 konzernweit 7800 ihrer 50.900 Stellen streicht. Kreisen zufolge sind nun zusätzliche 1000 Stellenstreichungen vorgesehen, bei denen erstmals betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden sollen. Betroffen davon seien DKW-Mitarbeiter in London und Frankfurt am Main. Zudem werde über eine Verlagerung von Mitarbeitern der Investmentbank nach München oder London diskutiert.
Allerdings hieß es, dass die Dresdner Bank ungeachtet der verschärften Sparmaßnahmen an ihrem zweiteiligen Geschäftsmodell festhalten und die Bereiche Privat- und Geschäftskunden sowie Investment Banking/Firmenkunden erhalten will. Ein Verkauf einzelner Segmente oder eine Eingliederung von DKW in den Konzern stehe nicht zur Debatte. Eine Allianz-Sprecherin betonte am Mittwoch, der Konzern stehe weiter zu DKW: "An unserer Strategie ändert sich Nichts".
Darüber hinaus kündigte Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner in einem Interview mit dem "DMEuro" allerdings eine weitere Kostenreduktion bei der Dresdner Bank an. Die Bank habe innerhalb eines Jahres die Kosten bereits um 15 Prozent gedrückt, heißt es in dem Bericht. "Doch jetzt macht das Umfeld noch drastischere Maßnahmen nötig", zitiert das Magazin Achleitner.
Die Allianz hatte Anfang August eine Gewinnwarnung für 2002 abgegeben und damals bereits weitere Kostensenkungsmaßnahmen für ihre im vergangenen Jahr übernommene Banktochter angekündigt. Zusätzlich zu den bereits geplanten 1,3 Milliarden Euro sollten ab dem kommenden Jahr bis zu 700 Millionen Euro eingespart werden. Fahrholz hatte zu diesem Anlass erklärt, dass davon bis zu 3000 Stellen im Bereich Corporates & Markets im In- und Ausland betroffen sein könnten.