Dritte Welt Gates stiftet 200 Millionen Dollar
Davos - Viele Millionen Menschenleben könnten gerettet werden, wenn sich die Wissenschaft intensiver mit Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose oder den Folgen von Unterernährung beschäftigen würde, sagte Gates in einer Rede auf dem World Economic Forum im schweizerischen Kurort Davos. Das Problem habe auch einen ganz handfesten wirtschaftlichen Hintergrund, erklärte Gates. Denn die massenhafte Verbreitung der erwähnten Krankheiten würde auch jede Entwicklung der Ökonomie in den Ländern der Dritten Welt ersticken.
Bei der Widmung des Forschungsetats habe er sich von einem deutschen Wissenschaftler namens David Hilbert inspirieren lassen, sagte Gates weiter. Der Mathematiker habe im Jahr 1900 seine Kollegen zu einem wissenschaftlichen Wettstreit aufgerufen. Die Lösung verschiedener mathematischer Probleme im Verlauf des folgenden Jahrhunderts habe die Entwicklung des Computers erst möglich gemacht.
Die Auslobung solle außerdem als Anstoß dafür dienen, die von einer selbstgefälligen Wissenschaft weitgehend ignorierten Probleme in der Dritten Welt wieder ins Bewusstsein zu rücken. Krankheiten, die in diesen Regionen verbreitet sind, würden allenfalls zehn Prozent der wissenschaftlichen Forschung ausmachen. 90 Prozent dagegen beschäftigten sich mit den Zivilisationskrankheiten der "reichen Welt".
"Fragen Sie amerikanische Medizinstudenten nach ihrer Kenntnis der zwanzig weltweit wichtigsten ansteckenden Krankheiten und danach, inwieweit sie in ihrem Lehrplan damit zu tun haben. Und fragen sie nach den zehn Maßnahmen, mit deren Hilfe die meisten Menschenleben gerettet werden könnten", forderte der Microsoft-Gründer seine Zuhörer auf. "Sie werden erschreckt sein, über die Antworten, die Sie bekommen".
Als ersten Schritt soll nun ein internationales Panel von Wissenschaftlern konkrete Forschungsaufgaben formulieren. Unter den möglichen Themen ist die Suche nach Möglichkeiten, ein erneutes Ausbrechen von Tuberkulose endgültig unmöglich zu machen. Außerdem sollen Nahrungsmittel und Medikamente entwickelt werden, die Kinder vor tödlichen Krankheiten bewahren und ihre gesundheitliche und mentale Entwicklung fördern.