Drohende Arcandor-Pleite: Thomas Cook berät neue Sparprogramme - DER SPIEGEL
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Drohende Arcandor-Pleite Thomas Cook berät neue Sparprogramme

Dem Mutterkonzern Arcandor droht die Pleite - der Reiseveranstalter Thomas Cook will und muss deshalb weiter sparen. Nach SPIEGEL-Informationen laufen bereits Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Die Schwesterfirma Karstadt kann nicht mal mehr ihre Kaufhausmieten zahlen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Europas zweitgrößter Urlaubsveranstalter Thomas Cook will die eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken - und sich damit gegen weitere Einbrüche bei den Reisebuchungen wappnen. Unabhängig von der drohenden Insolvenz des Mutterkonzerns Arcandor   hat die Geschäftsführung des deutschen Ablegers nach SPIEGEL-Informationen in den vergangenen Tagen Verhandlungen mit dem Betriebsrat aufgenommen, um Details zu einem weiteren, von der Beratungsfirma Roland Berger ausgearbeiteten Sparprogramm zu klären.

Mit dessen Hilfe sollen vor allem die Personal-, Vertriebs- und EDV-Kosten in den kommenden beiden Jahren um einen zweistelligen Millionenbetrag gesenkt werden. Wie viele Jobs der Streichaktion zum Opfer fallen, ist noch unklar. Firmen-Insider nennen eine Größenordnung von 150 bis maximal 250.

Der Konzern wollte zu den Plänen nicht Stellung nehmen und verweist auf die noch laufenden Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Auch im Ausland will sich der Konzern offenbar von Mitarbeitern trennen: Zurzeit wird überlegt, ob Thomas Cook in bestimmten Urlaubsländern überhaupt noch eigene Reiseleiter beschäftigen soll - oder die Gäste vor Ort lieber über eine Telefon-Hotline betreut.

Parallel dazu will Thomas Cook auch seine Organisation straffen. Die heimischen Veranstaltermarken Neckermann und Thomas Cook sollen künftig gemeinsam betreut und vertrieben werden. Auch für den Einkauf von Hotel-Kontingenten gibt es vom 1. Juli an nur noch eine zentrale Abteilung.

Mutterkonzern Arcandor hat inzwischen offenbar Probleme, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Ende vergangener Woche konnte - oder wollte - Karstadt nach SPIEGEL-Informationen nicht mal mehr die Miete zahlen - gut 20 Millionen Euro muss das Unternehmen für seine Filialen an jedem dritten Werktag einem Monats an ein Konsortium entrichten, das aus der Investmentbank Goldman Sachs, der Deutschen Bank, der Immobiliensparte des italienischen Reifenherstellers Pirelli und der Generali-Versicherung besteht. Weitere rund drei Millionen müssen für fünf weitere Häuser an den Oppenheim-Esch-Fonds gehen.

Das Geld kam am Freitag nicht an, Arcandor wollte sich zu der säumigen Mietzahlung "derzeit nicht äußern".

Die Vermieter werden Karstadt dennoch nicht gleich kündigen. Bereits im Laufe der Woche hatten sie über eine Stundung der Zahlungen debattiert. Vor allem Arcandor-Hauptinvestor Oppenheim, aber auch Pirelli waren dazu bereit.

Merkel: "Erhebliches Missmanagement"

Die restlichen Investoren hingegen blieben hart. "Es nützt nichts, Arcandor jetzt bei der Miete ein paar Millionen nachzulassen. Das Unternehmen muss sich so schnell wie möglich von unrentablen Flächen trennen, auf denen Tag für Tag Geld verbrannt wird. Dabei werden wir helfen", heißt es aus dem Konsortium. Gedacht werde an ein "finanzielle Entlastung". Wie die genau aussehen soll, dazu wollte sich bislang niemand äußern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab, über Staatshilfen für den Arcandor nachzudenken. "Bei Arcandor muss man zunächst einmal die Eigentümer und die Gläubiger stärker fordern, zumal es Teile des Konzerns gibt, die wirtschaftlich gesund sind, wie zum Beispiel der Touristikbereich", sagte sie der "Bild am Sonntag". "Das sind Fragen, die beantwortet werden müssen, bevor über Staatshilfen nachgedacht wird."

Bei Arcandor habe es "ein erhebliches Missmanagement mit äußerst ungünstigen Vertragsgestaltungen, zum Beispiel bei den Mietverträgen" gegeben, so die Kanzlerin weiter. "Da ist es überhaupt nicht einzusehen, warum manche in der SPD den deutschen Steuerzahler mit einem Risiko belasten wollen und nicht vielmehr an diesen Ursachen ansetzen."

Stattdessen forderte Merkel die Geschäftsführung auf, Gespräche mit Kaufhof über eine Fusion der beiden Warenhausketten zu führen. "Es gibt zum Beispiel andere Unternehmen wie die Kaufhof-Betreiber, die Interesse an den Karstadt-Häusern haben. Ich rate der Geschäftsleitung sehr dazu, die entsprechenden Gespräche zu führen und nicht zu versuchen, stattdessen allein den Staat unter Druck zu setzen."

Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) steht Staatshilfe skeptisch gegenüber. Dem SPIEGEL sagte er: "Die Eigentümer des Unternehmens müssen nachprüfbar bereit sein, ihr Eigenkapital zu erhöhen." Zudem brauche es ein "Stillhalteabkommen der Gläubigerbanken", andernfalls sei der Einsatz von Steuergeldern nicht zu rechtfertigen. "Wer sich jetzt mit einem nicht plausiblen Konzept zufriedengibt, zynisch kalkulierend, ob es über die anstehenden Wahlen reicht, spielt mit dem Schicksal der Betroffenen", so der Minister weiter.

Er zieht auch die Möglichkeit einer Insolvenz in Betracht: "Es wäre gut, wenn sich eine Insolvenz vermeiden ließe. Aber selbst wenn sie nicht vermieden werden kann, würden nicht plötzlich alle Mitarbeiter auf der Straße stehen. Es bestünde die Möglichkeit, das Unternehmen zu restrukturieren und Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern."

Minister Guttenberg bestätigte dem SPIEGEL, dass er während der Verhandlungen über Staatshilfen für Opel vor gut einer Woche seinen Rücktritt erwogen hatte. Dann habe er sich aber doch zum Weitermachen entschieden: "Niemandem wäre damit geholfen gewesen, wenn ich mich in die Schmollecke gesetzt hätte."

sef