Drohende Werkschließung: AEG-Arbeitskampf hat begonnen - DER SPIEGEL
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Drohende Werkschließung AEG-Arbeitskampf hat begonnen

Im Kampf um einen Sozialplan für das von der Schließung bedrohte AEG-Hausgerätewerk in Nürnberg setzen die Arbeitnehmer das Management unter Druck. Seit den frühen Morgenstunden bestreiken sie die Fabrik. Der Arbeitskampf könnte noch Wochen dauern.
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Nürnberg - Mehrere hundert Beschäftigte der Frühschicht versammelten sich um 6.00 Uhr vor den Werkstoren und verlangten von dem AEG-Mutterkonzern Electrolux einen angemessenen Sozialtarifvertrag. Vor das Eingangsgebäude hatten Mitarbeiter ein Transparent mit der Aufschrift "Dieser Betrieb wird bestreikt" gespannt. Auf Spruchtafeln hieß es "AEG Nürnberg muss bleiben".

Der stellvertretende IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber gab sich kampfbereit und stellte sich vorbehaltlos hinter die Streikenden. "Der Streik ist Notwehr. Wir sind ohne Alternative vor diesen Arbeitskampf gestellt worden", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die IG Metall sei bereit für diesen Arbeitskampf, auch wenn er länger dauern werde. Man wolle erreichen, dass alle Beschäftigten eine Chance auf Qualifizierung und eine ordentliche Abfindung erhalten.

Der bayerische IG Metall-Chef Werner Neugebauer fügte hinzu, er rechne mit einem mehrwöchigen Ausstand. Der betriebliche Streikleiter Harald Dix geht davon aus, dass der schwedische AEG-Mutterkonzern Electrolux die Auswirkungen des Ausstands nach zwei bis drei Wochen massiv zu spüren bekommt.


Die Beschäftigten kämpfen für einen Sozialtarifvertrag. Electrolux hatte entschieden, das Werk mit rund 1700 Beschäftigten aus Kostengründen Ende 2007 zu schließen. Waschmaschinen und Geschirrspüler will der Konzern dann billiger in Italien und Polen fertigen. Gespräche über den Sozialplan zwischen Gewerkschaft und Management waren zuvor in der zweiten Runde gescheitert. Daraufhin hatten sich die in der IG Metall organisierten AEG-Beschäftigten mit mehr als 96 Prozent für einen Streik ausgesprochen.

Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (vbm) hält den Ausstand für rechtswidrig. Ein gewerkschaftlich organisierter Arbeitskampf sei nicht zu rechtfertigen, sagte vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt gestern der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Verhandlungen über die Folgen der geplanten Werksschließung und einen Sozialplan seien Sache des schwedischen AEG-Mutterkonzerns Electrolux und des Betriebsrates, betonte er. Dennoch setzten die Arbeitgeber weiter auf eine Lösung im Gespräch mit der Gewerkschaft. "Ich hoffe, dass die IG Metall schnell wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt", sagte Brossardt.

Unterdessen haben Beschäftigte des Chipherstellers Infineon in München einem ZDF-Bericht zufolge ebenfalls die Arbeit niedergelegt. Die Infineon-Mitarbeiter wollen damit ihre Solidarität mit den Beschäftigten des AEG-Werks in Nürnberg bekunden.

Die IG Metall dementierte den Bericht allerdings. "Es sind Kollegen, die ohnehin frei haben oder sich Urlaub genommen haben, nach Nürnberg gefahren, um die Streikenden bei AEG zu unterstützen. Die Arbeit im Infineon-Werk läuft ganz normal", sagte ein Gewerkschaftssprecher.