Drohende Werkschließung Opel-Betriebsrat attackiert Management
Rüsselsheim/Bochum - "Werksschließungen oder eine ungleiche Produktionsverteilung zwischen den Standorten werden wir nicht akzeptieren", schreiben die Arbeitnehmervertreter der europäischen General-Motors-Werke in einer gemeinsamen Stellungnahme. Das mittlerweile abgeschlossene Restrukturierungsprogramm sei der tiefste Einschnitt in der Nachkriegsgeschichte von GM Europa gewesen, hieß es weiter.
Zuvor hatte Hans Demant, Chef der wichtigsten europäischen GM-Tochter Opel, erklärt, der Modellwechsel beim Astra Ende des Jahrzehnts könnte das Aus für eine Produktionsstätte in Europa nach sich ziehen. "Nach der gegenwärtigen Planung sieht es aus, als bräuchten wir in Zukunft weniger Werke", sagte Demant beim Autosalon in Genf der "Financial Times" (FT). Der Astra wird derzeit in vier Werken - in Bochum, im britischen Ellesmere Port, im polnischen Gleiwitz und im belgischen Antwerpen - gebaut.
GM-Europachef Carl-Peter Forster ergänzte, über die Zahl der Produktionsstätten für den Astra werde im Laufe des Jahres entschieden. "Wir müssen womöglich das eine oder andere Werk schließen, aber das heißt nicht notwendig, dass wir alles in den Osten verlagern", sagte Forster der "FT".
General Motors hatte vor einem Jahr seiner verlustreichen Tochter Opel und der schwedischen Tochter Saab ein umfassendes Restrukturierungsprogramm verordnet. In Europa fielen insgesamt 12.000 Stellen weg - fast ein Fünftel der Belegschaft. Bei Opel ist der größte Teil des Stellenabbaus über Altersteilzeit und Abfindungen bereits vollzogen, das Programm gilt als abgeschlossen.
Betriebsrat warnt vor Schaden für die Marke
Diese Einschnitte seien "wahrscheinlich nicht tief genug" gewesen, sagte Demant nun. Weitergehende Schritte habe man aus Furcht vor destruktiven Arbeitskämpfen vermieden. Tatsächlich hatten die Opelaner vor eineinhalb Jahren mit mehrtägigen wilden Streiks auf die Sparpläne reagiert. In Bochum hatten Arbeitnehmer das dortige Werk blockiert.
Der Vorsitzende des Europäischen GM-Arbeitnehmerforums, Klaus Franz, kritisierte, Demant und Forster seien "offensichtlich nicht Willens, die Marke Opel nach vorne zu bringen und Probleme intern im Konsens mit den Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften zu lösen." Die Äußerungen seien schädlich für die Marke Opel und für den Verkauf von Opel-Produkten.
Demant lehnte die Forderung des Betriebsrates ab, die Produktion in allen vier Werken gleichmäßig zu reduzieren, wenn der Astra-Absatz zurückgehe, um die Lasten auf alle zu verteilen. "Den Schmerz gleich zu verteilen, hilft nicht wirklich", sagte der Opel-Chef, weil die Fixkosten gleich blieben. Derzeit erfüllten weder das Opel-Werk in Bochum noch Ellesmere Port das angestrebte Produktivitätsniveau. Aber die Werksleitung in Großbritannien zeige mehr Entgegenkommen als früher.
suc/dpa-AFX/Dow Jones Newswires