Drohung Post will raus aus den Dörfern
Frankfurt am Main - Die Logik des Logistikriesen ist einfach: "Niemand käme auf die Idee, für ein Dorf mit wenigen hundert Einwohnern per Grundgesetz die Existenz eines Lebensmittelladens vorzuschreiben, wenn dieser sich nicht mehr rentiert", sagte der Brief-Vorstand der Deutschen Post , Hans-Dieter Petram der "Süddeutschen Zeitung".
Wenn ältere Mitbürger ihre Familienangehörige bemühen müssten, um sich in einer unzureichend versorgten ländlichen Gegend mit Lebensmitteln oder anderen Dingen des täglichen Bedarfs einzudecken, könnten sie sich auch Briefmarken und Faltpäckchen mitbringen lassen, so der Post-Manager weiter.
In Artikel 87 des Grundgesetzes ist das derzeit anders vorgesehen: Im Postwesen müsse eine "flächendeckend angemessene und ausreichende Dienstleistung" erbracht werden, heißt es dort. Insbesondere der Unterhalt unrentabler Poststationen ist dem gelben Konzern dabei ein Dorn im Auge. "Natürlich werden wir selbst im kleinsten Dorf Briefe und Pakete zustellen", so Petram weiter. Doch um ein paar Briefmarken täglich zu verkaufen, müsse man keine eigenen Filialen unterhalten.
Spätestens nach dem Auslaufen des Briefmonopols Ende 2007 stelle sich in Deutschland zwangsläufig die Frage, in welchem Umfang eine postalische Grundversorgung der Bevölkerung längerfristig erbracht werden könne und wer dies bezahlen solle, wird Petram in der "Süddeutschen Zeitung" weiter zitiert. Wenn die Deutsche Post weiterhin diese Versorgung leisten solle, dann müsse das auch bei den ab 2007 regulierten Preisen berücksichtigt werden.
Nach dem Fall des Briefmonopols rechnet sich der Brief-Chef des Bonner Konzerns dennoch gute Chancen aus: Für die Konkurrenten sei das Einsammeln, Transportieren und Zustellen von Briefen in größerem Umfang wegen der fehlenden Vernetzung äußerst kostspielig. Wettbewerber könnten höchstens auf dem Markt der vollbezahlten Briefe mithalten. Diese Sparte sei aber besonders durch die Kommunikation über das Internet bedroht, betonte Petram.
bay/dpa-AFX