Duisenberg: Inflation bald wieder rückläufig - DER SPIEGEL
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Duisenberg Inflation bald wieder rückläufig

Nach Ansicht von EZB-Präsident Wim Duisenberg wird die Inflation in Euroland bald wieder zurückgehen. Dafür seien aber moderate Tarifabschlüsse notwendig.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dublin - "Wir halten es für nicht unwahrscheinlich, dass wir den Höhepunkt schon erreicht haben, von dem aus es mit der Inflation wieder abwärts geht", sagte Duisenberg am Donnerstag in Dublin nach einer Tagung des Zentralbankrates unter Hinweis auf die Inflationsrate von 3,4 Prozent im Mai in Euroland.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ ihre Leitzinsen unverändert. Die aktuellen Zinssätze seien angesichts der hohen Inflation angemessen.

Duisenberg zeigte sich aber "sehr zuversichtlich", dass die Teuerungsrate im Laufe des Jahres 2002 wieder unter den Zielwert von zwei Prozent fallen werde. "Aber der Zeitverlauf, in dem dieses Absinken geschieht, kann sehr unbeständig sein. Wir sind nicht in der Lage, ganz genau vorherzusagen, wann wir die magischen zwei Prozent wieder erreichen werden."

Duisenberg weigerte sich, zu Spekulationen über seinen Rücktritt Stellung zu nehmen: "Ich werde das dann entscheiden, wenn die Zeit gekommen ist. Sobald ich mich entschlossen habe, zurückzutreten, werde ich das die zuständigen Stellen und dann auch die Medien wissen lassen."

Zur Erreichung des Inflationszieles sagte er: "Es ist wichtig, dass der Aufwärtstrend nicht dauerhaft wird, und deswegen ist es auch wichtig, dass die Zurückhaltung bei den Löhnen fortgesetzt wird." Zur Konjunkturdiskussion in Deutschland sagte er über die EZB-Beratungen: "Im Zusammenhang mit Deutschland ist bei uns das Wort Rezession nicht gefallen."

Duisenberg zeigte sich besorgt, dass sich in der Eurozone Länder daran gewöhnen könnten, mit hohen Lohnzuwächsen und Inflationsraten, inakzeptablen Profitmargen und wachsenden Staatsausgaben zu leben. "Damit die Euro-Zone reibungslos funktionieren kann, müssen ausgewogene nationale Politiker die einheitliche Währungspolitik mit deren Hauptziel der Wahrung der Preisstabilität ergänzen", sagte der EZB-Präsident.