Duty free: Massenandrang zum Abschied - DER SPIEGEL
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Duty free Massenandrang zum Abschied

Das war's. Mit den klassischen Butterfahrten ist es jetzt vorbei. Duty free, der zoll- und steuerfreie Einkauf auf Schiffen und Flughäfen, gehört innerhalb der Europäischen Union seit Mittwoch der Vergangenheit an. Viele Reeder machten aber noch einmal kräftig Kasse.
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Hamburg - Auf den Fähr- und Ausflugsschiffen auf Nord- und Ostsee drängelten sich die Passagiere. Viele standen vergeblich um Tickets an. Die Stimmung: eine Mischung aus Wehmut, Zorn und Trotz.

Als gute Nachricht für die europäischen Steuerzahler bezeichnete dagegen am Mittwoch in Brüssel EU-Kommissar Mario Monti das Ende des innereuropäischen steuerfreien Handels. Damit würden Beihilfen von zwei Milliarden Euro jährlich für Flug- und Fährreisen wegfallen. Gleichzeitig begrüßte er, daß viele Duty-free-Unternehmen weiter Waren zu günstigen Preisen anbieten wollen.

Händler auf Flughäfen, Fähren in Europa und Fluggesellschaften haben unterdessen Wege gefunden, wie sie Kunden doch noch locken und ein Geschäft machen können. Geringere Gewinnmargen und Ausnutzung unterschiedlicher nationaler Steuersätze auf Tabakwaren und Alkohol sollen für Umsatz sorgen.

So will die British Airport Authority (AAA) 90 Prozent ihrer Luxusartikel bezuschussen, um die Preise niedrig zu halten. "Die Branche lebt", ist Brian Collie von BAA zuversichtlich. Spaniens Verband der Zoll-Frei-Läden (Aldessa) setzt auf die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern niedrigeren Steuern. Die Scandlines AG, die Fähren auf der Ostsee betreibt, will auf die an Bord verkauften Waren künftig ausschließlich die deutschen Verbrauchssteuern und die deutsche Mehrwertsteuer erheben, obwohl sie in den Hoheitsgewässern der Nachbarstaaten deren höhere Steuersätze abführen muß. Alles andere sei für die Passagiere unzumutbar, sagte eine Scandlines-Sprecherin.

Wie viele Reedereien an Nord- und Ostsee verzeichnete Scandlines in den letzten Tagen noch einmal Hochbetrieb für Butterfahrten zwischen Rostock und Gedser. "Wir waren bereits in den letzten Tagen immer ausgebucht und haben auch Fahrgäste abweisen müssen", sagte auch der Leiter des Travemünder Büros der Förde Reederei Seetouristik, Hans-Joachim Buske. Komplett ausgebucht waren am Mittwoch auch die beiden Fährschiffe und sechs Touren der dänischen "easy-line" zwischen Rostock und Gedser. Die meisten Passagiere waren Dänen, deren Regierung maßgeblich geholfen hatte, Duty free den Todesstoß zu versetzen.

Von Rekordbuchungen in den letzten Tagen berichteten auch die Fähren, die Butterfahrten zwischen Großbritannien und Frankreich im Programm hatten. Kein Wunder, hieß es in Großbritannien, denn zu Hause zahle der Brite umgerechnet zehn Mark für die Schachtel Zigaretten und 60 Mark für einen alten Whisky. In Spanien und Frankreich scheint es dagegen keinen letzten großen Ansturm gegeben zu haben. Es wurde darauf hingewiesen, daß "Hamsterkäufe" wegen der Mengenbeschränkungen kaum möglich waren.

Keine freien Plätze hatte in den letzten Tagen auch die Reederei Kamstra in Eemshaven im nördlichsten Zipfel der Niederlande. Das deutsche Wort Butterfahrt hatte Eingang in die Umgangssprache des Nachbarlandes gefunden. Reeder Jacques Streng: "Ab Donnerstag sind wir dicht. 25 unserer 35 Mitarbeiter sind arbeitslos. Aus." Mit bitterem Unterton fügt er hinzu: "In Deutschland können sie mit Acht-Stunden-Reisen noch die europäischen Regeln umgehen. Wir dürfen das nach unseren Gesetzen nicht."