e.on Der neue Riese
Düsseldorf/München - Ulrich Hartmann und Wilhelm Simson haben schon einmal vorgesorgt: Am 20. Juni ist e.on-Tag. Die Vorstandschefs von VEBA und VIAG, die künftig gemeinsam den neuen Energieriesen und Chemiespezialisten e.on führen werden, wollen am Dienstag nächster Woche Firmenhochzeit feiern.
Die Konzernkassen beider Unternehmen, besonders bei VEBA, quellen derzeit über. Durch den Ausstieg aus der Telekommunikation (E-Plus, o.tel.o., Cablecom und einer Beteiligung an Cable & Wireless) haben die Düsseldorfer Milliarden-Erlösen erzielt. Vor dem Verkauf stehen weitere Beteiligungen beider Unternehmen - darunter VEBA Electronics, Schmalbach Lubeca, VAW Aluminium, das Handelshaus Klöckner und die Platzierung von weiteren Stinnes-Aktien. Insgesamt wollen sich VEBA und VIAG von mehr als 50 Milliarden Mark Umsatz mit 100.000 Beschäftigten trennen.
E.on kann die Verkaufserlöse gut gebrauchen, vor allem im Energiebereich: "Wir werden über Akquisitionen und Kooperationen insbesondere in europäischen Nachbarländern expandieren", kündigte Hartmann im vergangenen März bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf an. Und so wird in der Branche bereits heftig über Kandidaten spekuliert.
Mit der Pariser Suez Lyonnaise des Eaux ist dieser auch bereits gefunden. Der Verbund käme aktuell auf eine Marktkapitalisierung von über 70 Milliarden Euro. Zugleich hätte sich e.on einen Partner zugelegt, der im Wasser-, Strom- und Gasgeschäft einen großen Namen hat.
Hintergrund des Fusionsfiebers auf den Energiemärkten in Europa ist der zunehmende Wettbewerb bei Strom, Gas und Wasser unter den Anbietern. Durch die Liberalisierung befindet sich der Markt in einem tiefen Umbruch. Gewinner sind dabei die Verbraucher, die wie beim Telefonieren auf weiter sinkende Strompreise hoffen können.
Über seinen dritten Platz in Europas Energieliga darf sich e.on allerdings nur wenige Tage freuen. Schon kurz nach dem Start werden die Düsseldorfer von der RWE ausgestochen. Die Essener Konkurrenz hat sich mit der Dortmunder VEW zusammengeschlossen und wird so voraussichtlich am 1. Juli an e.on vorbeiziehen.
Ein Zusammenschluss unter Gleichen soll die Verschmelzung sein, betonte VEBA-Chef Hartmann und übte mit seinem Vorstandskollegen Simson den Schulterschluss. Doch der Stärkere hat sich in den Verhandlungen klar durchgesetzt. Zwar wird auf paritätische Besetzungen geachtet, aber an den Schalthebeln sitzen VEBA-Manager - ob Hartmann in der Düsseldorfer Konzernholding oder Hans-Dieter Harig als Chef der wichtigsten Energiesparte mit künftigem Sitz in München.
Von Peter Lessmann