E-Roller-Aufräumfirma: Zwei Mann gegen die Plage - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Aufräumfirma Zwei Mann gegen die E-Roller-Plage

John Heinkel und Dan Borelli sammeln falsch abgestellte E-Scooter ein. Wer sie wiederhaben will, muss zahlen. Sind sie Helden oder Erpresser?
ScootScoop-Gründer John Heinkel und Dan Borelli
ScootScoop-Gründer John Heinkel und Dan Borelli

ScootScoop-Gründer John Heinkel und Dan Borelli

Foto: Mike Blake / REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die südkalifornische Stadt San Diego ist noch heftiger von Elektrorollern befallen als Paris oder Berlin, und daraus haben zwei Männer ein Geschäft gemacht: Sie räumen die Dinger einfach weg. Auf einen großen Haufen. Rund 12.000 Stück liegen da schon.

"Irgendeiner muss es ja machen", sagt John Heinkel, 55, während er an einem Augustmorgen gemeinsam mit Dan Borelli, 43, um fünf Uhr in der Früh in seinem Pick-up-Truck sitzt, um seine tägliche Scooter-Abfuhrrunde in der Stadt zu drehen. "Sie liegen auf Gehsteigen, vor Schaufenstern, Hoteleingängen, auf Behindertenparkplätzen, vor Zebrastreifen. Kreuz und quer. Wir dachten, da muss jetzt endlich jemand für Ordnung sorgen." Ihre Firma, deren Logo auf ihren T-Shirts und auf dem Truck prangt, haben sie ScootScoop genannt. Scoop heißt Schaufel.

An der US-Westküste nahm die E-Roller-Revolution 2018 ihren Anfang, hier streuten kalifornische Firmen wie Bird und Lime ihre Vehikel zuerst aus. San Diego ist für Scooter-Firmen eigentlich ein Idealgebiet: immer schönes Wetter, viele Touristen, vornehmlich ebenes Gelände, schwaches öffentliches Verkehrsnetz. 

Wenn da bloß ScootScoop nicht wäre.

Das Geschäftsmodell von Heinkel und Borelli geht so: Sie packen illegal und auf Privatgrund abgestellte Scooter auf ihren Pick-up-Truck, bringen die Dinger zu einem Sammelplatz und verlangen von den Scooter-Firmen 50 Dollar pro Vehikel für die Herausgabe. Ihr Aktionsradius ist beschränkt, aktiv werden sie nur auf Grundstücken von Eigentümern, die ihnen dafür den Auftrag geben. Mehr als 300 Liegenschaften in San Diego – Hotelanlagen, Malls, Wohnkomplexe, Restaurants, Privathäuser – halten sie auf diese Weise Scooter-frei, "und jeden Tag bekommen wir etwa zehn neue Anfragen", sagt Borelli.

Die beiden sind eine Art Kammerjäger für Tretroller. Allerdings lassen sie sich dabei quasi von den Ratten bezahlen, nicht von den betroffenen Hausbesitzern: Für die ist der Dienst gratis, nur die Scooter-Firmen werden zur Kasse gebeten. 

Es ist eine seltsame Situation: Da beglücken ein paar "Wir verbessern die Welt"-Start-ups amerikanische Innenstädte mit einem neuen, platzsparenden, simplen, vergleichsweise umweltfreundlichen Transportmittel. Und dann tritt ein anderes Unternehmen mit der Dienstleistung an, die Bürger von dieser Segnung wieder zu erlösen.

Diesen Artikel weiterlesen mit SPIEGEL+

Sie haben bereits ein Digital-Abo? Zum Login

SPIEGEL plus Nur für Neukunden
Freier Zugriff auf alle S+-Artikel auf SPIEGEL.de und in der App
Wöchentlich die digitale Ausgabe des SPIEGEL inkl. E-Paper (PDF), Digital-Archiv und S+-Newsletter
Jederzeit kündigen
SPIEGEL plus 52 Wochen 31 % sparen
Freier Zugriff auf alle S+-Artikel auf SPIEGEL.de und in der App
Wöchentlich die digitale Ausgabe des SPIEGEL inkl. E-Paper (PDF), Digital-Archiv und S+-Newsletter
52 Wochen rabattierte Laufzeit

Sie haben bereits ein Print-Abo? Hier rabattiert Digital-Zugang bestellen