E-Scooter-Plage in unseren Städten: Ohne Helm und Verstand - DER SPIEGEL
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E-Scooter-Plage Ohne Helm und Verstand

Sie sollten den Verkehr erträglicher machen, stattdessen sind Elektroroller in Städten eine tödliche Gefahr.
• aus DER SPIEGEL 37/2019
Foto: PAUL LANGROCK / LAIF
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Von Simon Hage, Alexander Kühn, Guido Mingels, Emil Nefzger, Anton Rainer, Gerald Traufetter, Christian Wüst, Helene Zuber


Es war ein kühler Abend, der 9. Mai. Noch herrschte Ruhe im Land. Fünf Wochen noch, dann sollte die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung in Kraft treten, die den Gebrauch von E-Scootern legalisiert.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) saß in der Bibliothek seiner Behörde. Zwei Journalisten waren bei ihm und Guido Zielke, Leiter der Abteilung Straßenverkehr. Er ist zuständig, "sobald irgendein Bürger den Asphalt vor seinem Haus betritt", wie er sagt. Und damit auch für E-Roller.

Was der Beamte dem Minister kurz vor 19 Uhr mitzuteilen hatte, ließ Scheuer aus dem Sessel fahren.

"Wenn Sie wollen, dann können Sie mit Ihrem Elektroroller losfahren", sagte Zielke.

"Auf der Straße?", fragte Scheuer ungläubig.

"Ja, aber nur auf der Straße, nicht auf dem Fahrradweg", erwiderte Zielke.

"Wie? Und das sagen Sie mir erst jetzt?", rief Scheuer. "Wo ich doch schon seit Tagen auf diese Information warte!"

Der Minister strahlte wie ein Kind kurz vor der Bescherung. "Da kann ich ja jetzt gleich losfahren, zum Treffen der bayerischen Landesgruppe!"

"Ja, aber haben Sie einen Helm?"

"Na klar, den habe ich immer bei mir."

Was sich eine knappe Dreiviertelstunde später auf der Invalidenstraße vor dem Ministerium ereignete, dürfte die erste legale Fahrt mit einem E-Scooter auf einer deutschen Straße gewesen sein. Am Lenker: der Bundesverkehrsminister. Seine Beamten hatten ihm grünes Licht gegeben. Möglich geworden war das durch eine Sonderregelung, mit der die Elektroroller auf der Straße getestet werden sollten.

Und so preschte kurz nach 20 Uhr der Minister mit seinem Scooter vom Typ Metz Moover auf die Linksabbiegespur vor dem Amtsgebäude, gefilmt von seinem Pressesprecher. Er bog in die Luisenstraße ein und fuhr an der Charité vorbei bis zum Bundestag. Der Spot ist auf Instagram zu bewundern. Es war der wohl glücklichste Moment in Scheuers vom Maut-Desaster überschatteter Dienstzeit.

Seit Juni sind die E-Scooter nun für alle da. Sie gehören zum Sommer 2019, so wie Wespen oder Mücken, und sind ähnlich lästig. Die Scooter fahren über Gehsteige, wo sie nichts verloren haben, und auf Radwegen, wo sie den Betrieb aufhalten. Als wäre das nicht genug, sollen sie bald auch auf Busspuren zugelassen sein. Werden sie nicht mehr benötigt, lassen ihre Fahrer sie fallen wie ein Hund seinen Haufen, warum auch nicht, sie sind ja nur gemietet.

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