EADS-Aktie Begeisterung bleibt aus
München - Am Freitag endet die Zeichnungsfrist für die Aktie des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Ein Sprecher des Bankenkonsortiums, das die EADS an die Börse bringt, räumte ein, von einem großen Ansturm könne keine Rede sein. Bisher stehe nicht einmal fest, ob es zu einer Überzeichnung der Aktie komme, sagte der Sprecher des Konsortiums, zu dem unter Federführung der Deutschen Bank und der niederländischen ABN Amro die ersten Adressen der europäischen Finanzinstitute gehören. Zur Erinnerung: Infineon war mehr als 30fach überzeichnet.
"Die Aktie führt ein rechtes Schattendasein. In breiten Anlegerkreisen ist die Aktie bislang kaum bekannt geworden", sagt Eckart Keil von der bankenunabhängigen Kapitalanlagegesellschaft Fiduka. Der Analyst und Fondsmanager meint: "Das ist sicher keine Volksaktie."
Auch gemessen am Maximalpreis von 23 Euro für Privatanleger ist die Aktie für Privatanleger nach Einschätzung von Analysten kein Schnäppchen. Der genaue Preis der Aktie soll zwar erst kurz vor Börsenstart bekannt gegeben werden. Er wird sich aber eng am Kurs von Aerospatiale Matra orientieren, die zuletzt knapp unter 22 Euro notierte.
Bis zu 166,5 Millionen EADS-Aktien sollen platziert werden. Doch selbst die großen Direktbanken wie ConSors und Comdirect, die bei anderen Großemissionen über den Stand des Interesses Auskunft gaben, verweisen auf ihre Schweigepflicht. Die EADS klagt über strikte Kommunikationsauflagen, die das französische Börsenrecht im Gegensatz zum deutschen diktiere und die vor dem Verkaufsstart der Aktie keine Werbung erlaubten. Hier zeige sich, auf welche Hindernisse der erste Börsengang über drei Ländergrenzen hinweg treffe.
Desweiteren weist Analyst Keil darauf hin, dass die EADS bezogen auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis höher bewertet werde als Boeing. Der große US- Konkurrent habe anders als EADS nicht mit den Sprachbarrieren und kulturellen Differenzen zu kämpfen. Zudem könne das EADS- Prestigeobjekt A3XX erst langfristig Gewinne abwerfen.