EADS-Co-Chef: Enders will deutschen Einstieg vermeiden - DER SPIEGEL
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EADS-Co-Chef Enders will deutschen Einstieg vermeiden

Die Diskussionen um einen Einstieg des deutschen Staates beim Flugzeug- und Rüstungskonzern EADS gefallen Konzern-Co-Chef Enders gar nicht: Ihm ist eigentlich schon das ständige Dazwischenreden der Franzosen zu viel.
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Paris - EADS-Co-Chef Thomas Enders ist strikt gegen einen Einstieg des deutschen Staates bei seinem Konzern. Ein solcher Schritt sei "die Rückkehr in die Steinzeit", sagte Enders dem "Wall Street Journal". Stattdessen solle auch der Einfluss des französischen Staats zurückgedrängt werden.

A380 im Test: Verkehrsminister Tiefensee gibt sich zögerlich bezüglich einer deutschen Staatsbeteiligung an EADS

A380 im Test: Verkehrsminister Tiefensee gibt sich zögerlich bezüglich einer deutschen Staatsbeteiligung an EADS

Foto: AP

Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zeigte sich skeptisch im Bezug auf einen Staatseinstieg beim Airbus-Mutterkonzern EADS  . "Wir sind noch weit davon entfernt", sagte er. Der Regierung wäre es demnach lieber, Interessenten aus der Privatwirtschaft für einen Einstieg bei dem Konzern zu finden, falls DaimlerChrysler   einen Teil seiner EADS-Aktien verkaufe. In diesem Zusammenhang berichtete das "Handelsblatt", Bundeskanzlerin Angela Merkel favorisiere ein Modell, nach dem ein Konsortium aus fünf Banken das Paket übernehmen solle.

A380 erst ab 420 Auslieferungen rentabel

Bestätigt von der Regierung wurden allerdings nur "Gespräche, Unterrichtungen und Abstimmungen" mit dem Autokonzern zu diesem Thema. DaimlerChrysler will seinen Anteil von 22,5 Prozent an EADS um 7,5 Prozent abzubauen. Nach "manager-magazin"-Informationen erwartet der Autobauer wegen der A380-Krise ein Minus von mehr als 200 Millionen Euro. DaimlerChrysler wollte das nicht kommentieren.

Derweil teilte Airbus mit, dass das Unternehmen von seinem Riesenjet A380 wegen der aktuellen Produktionskrise 150 Flugzeuge mehr verkaufen muss, um mit dem Prestigeprojekt in die Gewinnzone zu fliegen. Das A380-Gesamtprogramm werde ab 420 Auslieferungen die Gewinnschwelle erreichen, bestätigte EADS. Zuvor hatte der Konzern erwartet, ab 270 Flugzeugen mit dem A380 schwarze Zahlen schreiben zu können. Bislang liegen 159 Bestellungen vor.

Der erste A380, der einen positiven Ergebnisbeitrag beisteuert, werde voraussichtlich erst 2010 ausgeliefert, sagte ein EADS-Sprecher. Bis 2010 rechnet EADS wegen der A380-Verzögerung mit einer Belastung des Ertrags vor Steuern und Zinsen (EBIT) um 4,8 Milliarden Euro. Das sind 2,8 Milliarden Euro mehr, als noch im Juli angenommen.

Enders warnt vor Panikmache

Enders kritisierte heute erneut Aufgeregtheiten in der Diskussion um die Krise des Flugzeugbauers. Die Airbus-Probleme träfen den Konzern und seine Kunden hart. "Das wird aber nicht die Industrielandschaft in Deutschland platt machen", sagte er. Am Ende sei Airbus wegen der Lieferprobleme beim A380 nicht. Schließlich werde man in diesem Jahr die Rekordzahl von 420 bis 430 Flugzeugen ausliefern und im nächsten Jahr mindestens ebenso viele, vielleicht sogar mehr.

Dem "WSJ" versicherte Enders, der Konzern werde bei der Sanierung des angeschlagenen Flugzeugbauers Airbus nicht vor Stellenstreichungen und Werksschließungen zurückschrecken. "Alles liegt auf dem Tisch", sagte Enders. Auch "Hintergrundgeräusche" von Vertretern der öffentlichen Hand würden diese Bemühungen nicht aus der Spur bringen. "Die Menschen werden bald sehen, dass wir der weit reichenden Erneuerung verpflichtet sind, die Airbus durchlaufen muss", fügte er hinzu.

Die EADS-Führung muss heute und morgen Investmentmanagern und Analysten bei einem Treffen in Hamburg Rede und Antwort stehen. Dabei dürften bohrende Fragen nach den Fehlern bei Airbus gestellt werden, die zu den massiven Lieferverzögerungen bei dem Großraumflugzeug führten. Investoren warten auch gespannt darauf, wie die Zukunft des neuen Langstreckenflugzeugs A350 aussehen wird, das der Boeing  -Maschine 787 Dreamliner Konkurrenz machen soll. Enders sagte dazu, die Entscheidung, ob und wann die Entwicklung beginnen soll, werde "binnen Wochen" fallen. Laut "WSJ" wird ein Beschluss des EADS-Verwaltungsrates in 14 Tagen erwartet.

Korrektur: Ursprünglich hatte es in dieser Meldung geheißen, EADS werde laut einer Konzernerklärung aufgrund der A380-Krise Ertragseinbußen von sechs Milliarden Euro hinnehmen müssen. SPIEGEL ONLINE hatte dies auf Basis von Meldungen der Nachrichtenagenturen AFP und dpa berichtet. Die dpa hat die Meldung allerdings inzwischen mit Verweis auf einen Irrtum zurückgezogen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

ase/dpa/Dow Jones/Reuters

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