EADS-Krise Frankreich will bei Airbus mitmischen
Hamburg/Paris - Der französische Finanzminister Thierry Breton und die privaten Aktionäre von EADS wollen dem Konzern einem Zeitungsbericht zufolge mehr Kontrolle über seine Tochter Airbus verschaffen. Eine Fusion der beiden könne hierzu eine Möglichkeit sein, schreibt heute die französische Zeitung "Le Figaro" ohne Nennung von Quellen. Eine Stellungnahme des Finanzministeriums und des Großaktionärs Lagardère war zunächst nicht zu erhalten.
EADS war in eine Krise gestürzt, nachdem Airbus neue Lieferverzögerungen bei seinem prestigeträchtigen Riesenflugzeug A380 einräumen musste. Die Turbulenzen der vergangenen Tage setzen die Aktie des Luft- und Raumfahrtunternehmens EADS weiter unter Druck. Das Papier verlor heute bis zum Mittag an der Börse in Frankfurt am Main 2,9 Prozent. Nach Bekanntwerden einer erneuten Lieferpanne beim Superairbus A380 war die Aktie in der vergangenen Woche um ein Viertel eingebrochen.
Jetzt will Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin selbst daran arbeiten, die Gräben zwischen französischem und deutschem Management wegen der Krise wieder zuzuschütten. Der Aktionärspakt mit Lagardère und DaimlerChrysler , der den französischen Staat aus der operativen Führung heraushält, soll auf den Prüfstand.
Gestern hatte Villepin in einer Parlamentsdebatte angekündigt, Frankreich wolle sich für Änderungen in der Eigner- und Managementstruktur bei der Airbus-Muttergesellschaft EADS einsetzen. Frankreich ist mit 15 Prozent an EADS beteiligt, 7,5 Prozent hält der französische Medienkonzern Lagardère. DaimlerChrysler vertritt Deutschland mit 22,5 Prozent. Eine Änderung der Aktionärsstruktur könnte das sensible deutsch-französische Gleichgewicht bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern gefährden.
Villepin wies Fragen der sozialistischen Opposition, wie viel Vertrauen die Regierung noch in EADS-Chef Noël Forgeard habe, zwar empört zurück und warf den Sozialisten Feigheit vor, stellte sich aber selbst nicht voll hinter Forgeard. Mit dem Feigheitsvorwurf löste Villepin gestern einen Eklat in der französischen Nationalversammlung aus: Die Sozialisten verließen empört das Parlament und forderten Villepins Rücktritt.
Emirates hält an A380-Bestellung fest
Finanzminister Breton hatte zuvor erklärt, anstehende Änderungen bei EADS würden über die Frage der Eignerstruktur hinausgehen. Die Frage des Managements habe er auch mit Aktionärsvertreter Arnaud Lagardère besprochen, sagte Breton.
Forgeard steht wegen der Lieferverspätungen beim prestigeträchtigen A380 in der Kritik. Neben dem starken Kursverlust der EADS-Aktie ist weitere Folge, dass mehrere Fluggesellschaften mit der Stornierung von Bestellungen drohen. Zudem sind bei Lieferverzögerungen Entschädigungszahlungen an die Fluggesellschaften fällig.
Gestern kündigte die Malaysian Airline an, die Bestellung von sechs Maschinen für 2007 möglicherweise zurückzuziehen. Auch die US-Leasingfirma ILFC drohte mit der Stornierung von Bestellungen. Der größte A380-Kunde, die arabische Fluglinie Emirates, teilte heute mit, über die bisherigen 45 Bestellungen keine weiteren Maschinen zu ordern. An der bisherigen Bestellung halte die Airline aber fest.
Zudem ermitteln die Börsenaufsichten in Deutschland und Frankreich gegen Forgeard, Lagardère und DaimlerChrysler wegen des Vorwurfs des Insiderhandels. Sie alle hatten im März vor Bekanntwerden der Lieferprobleme und entsprechend vor dem Kurssturz Anteile verkauft. Der französische Kleinaktionärsverband APPAC reichte heute in Paris Klage gegen Unbekannt wegen Insiderhandels und Verbreitung von Falschinformationen ein. Zugleich forderte die APPAC den Rücktritt der EADS-Führungsspitze.
kaz/Reuters/dpa/AFP