Eben ein Knüller - DER SPIEGEL
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Daimler-Aktien Eben ein Knüller

Nach einem neuen Konzept will sich die Deutsche Bank von einem Teil ihrer Daimler-Aktien trennen -- und dabei nicht zu kurz kommen.
• aus DER SPIEGEL 20/1975
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was als nationale Opfertat begann, verspricht als vielbeneidetes Geschäft zu enden. Knapp ein halbes Jahr nach seinem »Blitzkrieg gegen die Perser« ("FAZ") will der Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Franz Heinrich Ulrich, seinen Aktionären in der übernächsten Woche verkaufen, wie er das von der Familie Flick übernommene milliardenschwere Paket Daimler-Aktien auf ebenso elegante wie einträgliche Art wieder loswerden will.

Einen Aktienbatzen im Wert von 250 Millionen (etwa vier Prozent des Daimler-Kapitals) hatte Ulrich schon Anfang Mai an einige kaufkräftige Interessenten (Ulrich: »Man kann sie an einer Hand abzählen") verkauft. Weitere 250 Millionen Mark will er in nächster Zukunft für noch einmal vier Prozent anderen Großanlegern abknöpfen. Beide Päckchen wechseln zum Einstandspreis von 295 Mark pro Aktie den Besitzer.

Für den Rest hat er sich etwas Besonderes einfallen lassen. Mit einem von Westdeutschlands Universalbanken noch nie feilgebotenen Beteiligungspapier will er den Rest der von Flick übernommenen Aktien (21 Prozent des Daimler-Kapitals) unter Kleinanleger und Großinvestoren bringen.

Eigens für seine dem Schah von Persien abgejagten Anteilsscheine will Ulrich eine Beteiligungsgesellschaft gründen, die nur eine Aufgabe hat: Sie soll der Deutschen Bank die Papiere abkaufen. in die Tresore packen und den Kaufpreis durch die Ausgabe eigener Aktien finanzieren.

Anders als bei den üblichen Investmentfonds, deren Preise täglich errechnet und die am Bankschalter gehandelt werden, sollen die Aktien des Daimler-Fonds sich an der Börse behaupten.

An Interessenten für das neue Papier wird es nach Ansicht des Großbankiers, der noch vor Monatsfrist knapp 58 Prozent des Daimler-Kapitals hielt (29 Prozent stammten von Flick, 28,5 Prozent lagen ohnehin im Portefeuille). nicht fehlen. Sein Modell erlaubt liquiden Großunternehmen den Erwerb einer sogenannten Schachtelbeteiligung, die den Firmen steuerliche Vorteile bietet -- und der Großbank ansehnliche Gewinne.

Zu welchem Verrechnungspreis die Paket-Reste in die künftige Holding eingebracht werden, mag Ulrich noch nicht entscheiden-. »Wir haben ein Interesse daran, daß die künftigen Holdingaktionäre zu einem für sie günstigen Preis einsteigen können und noch genug Kursspielraum nach oben offenbleibt.«

Zuvor werden vermutlich erst einmal die Großbankiers Kasse machen. Mitte der letzten Woche stand der Daimler-Kurs bei 308 -- und jede Mark über 295 bringt Millionen in Ulrichs Kasse. An Flick muß Ulrich die Milliarden erst im Januar 1976 überweisen.

Und daß die Daimler-Aktien steigen werden, erscheint erfahrenen Börsianern zumindest wahrscheinlich. So vermutet der Wertpapierchef der Bank für Gemeinwirtschaft, Heinz Berg: »Der gute Stern Daimler ist und bleibt eben ein Knüller«

Vermutlich vor allem für die Deutsche Bank: Denn schon planen die Paketbesitzer einen Coup. der ihnen trotz der Aktien-Verkäufe die Macht in der Stuttgarter Autofirma sichert: Sie wollen einen Teil der Holding-Aktien übernehmen und sie per Satzung mit Mehrfach-Stimmrechr ausstatten -- ein Trick, der beispielsweise den Siemens-Familien mit 2,4 Prozent Anteil am Siemens-Kapital eine dominierende Rolle in dem Elektro-Konzern verschafft.

Der Konkurrenz mißfällt denn auch längst das ganze Geschäft. Vertrauten verriet Commerzbank-Sprecher Paul Lichtenberg vor einigen Wochen: »Am liebsten hätte ich bei der Flick-Transaktion mit einem für uns angemessenen Anteil mitgemacht.«

Nur Kollege Jürgen Ponto von der Dresdner Bank. mit Ulrich in erbittertem Wettkampf um das Image des größten unter Westdeutschlands Bankiers' mag an die ganze Transaktion nicht glauben: »Wer kauft denn schon Daimler-Aktien zu 295 Mark, ohne zu wissen, wohin der Trend geht:'

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